Nachdenklich stimmend und unterhaltsam

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Ich hatte noch keinen unmittelbaren Kontakt zu Menschen mit Behinderung. Sie scheinen in meinem Alltag kaum präsent zu sein. Für mich ein Anstoß. das Buch zur Hand zu nehmen, zumal der Autor ein nicht sprechender Autist ist, ein Insider sozusagen.

Ich betrete eine mir unbekannte Welt und bin entsetzt, berührt und auch ein wenig beschämt. Die Geschichte spielt in Amerika und ich hoffe sehr, dass die Lebensverhältnisse für Menschen mit Behinderung bei uns besser sind. Das Buch beginnt mit Walters, Kindheit , dem Erzähler, und dem Problem, ihm angemessene Bildung und Förderung zukommen zu lassen. Durch die liebevolle Unterstützung seiner Eltern gelingt ein Universitätsabschluss. All das hat mich schwer beeindruckt. Als der Vater stirbt, das Geld knapp wird, muss Walter eine Tagesstätte für Behinderte besuchen.

Nun wechseln die Erzählperspektiven öfters. Betreuer, der Leiter der Einrichtung, Außenstehende, einige der Betreuten und immer wieder Walter selbst kommen zu Wort und spiegeln dadurch die unterschiedlichen Wahrnehmungsebenen dieser besonderen Menschengruppe. Die Einrichtung selbst ist im Grunde nur eine Verwahranstalt ohne Fördermöglichkeiten . Der Leiter ist unqualifiziert, überfordert, aber bemüht. Das Personal wechselt häufig. Ein leuchtendes Beispiel, wie man es besser machen kann, ohne besondere Vorkenntnisse zu haben, ist der Pfleger Carlos ,. Er hört zu, beobachtet genau und begegnet den Menschen auf Augenhöhe. Ein weiterer Lichtblick war für mich Ann , eine studentische Aushilfskraft. Sie geht nach anfänglichem Zögern, offen mit den Menschen um und bringt Freude in ihr Leben. Dann geschieht ein tragischer Zwischenfall und Walters Mutter beschließt, ihren Sohn aus der Einrichtung zu nehmen.

Wer nun glaubt, das Buch sei schwermütig und sperrig zu lesen, der irrt gewaltig . Es ist unterhaltsam und oft auch humorvoll. Der Wert des Buches liegt für mich auch darin, dass es mir die Menschen mit Behinderung näher bringt mit ihren Träumen, Gefühlen und Freude am Leben. Und es macht Mut, sie auch so wahrzunehmen.