Was wir von außen nicht sehen

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barbaram Avatar

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Ein ganz normales Wunder von Woody Brown ist für mich ein ganz besonderes Buch. Nicht, weil es laut oder besonders dramatisch erzählt wird, sondern weil es Einblicke ermöglicht, die man als Außenstehender wohl nur sehr selten bekommt. In einer Tagesstätte für erwachsene Menschen mit Beeinträchtigungen begegnen wir ganz unterschiedlichen Menschen, ihren Bedürfnissen, Hoffnungen und Schwierigkeiten. Dabei wechselt Woody Brown immer wieder die Perspektive und lässt nicht nur die Menschen mit Beeinträchtigungen, sondern auch Betreuer und Außenstehende zu Wort kommen.
Besonders beeindruckt hat mich dabei Woody Brown selbst. Er ist nichtsprechender Autist und hat als erster nichtsprechender autistischer Student einen Abschluss an der UCLA erworben, später sogar einen Master in Creative Writing an der Columbia University. Zu wissen, welchen Weg dieser Autor zurückgelegt hat, macht seine Leistung für mich beinahe unglaublich. Gleichzeitig möchte ich das Buch aber keineswegs nur aufgrund seiner Biografie bewerten. Brown kann schreiben und vor allem kann er beobachten. Mit großer Feinfühligkeit zeigt er, was in Menschen vorgehen kann, die von ihrer Umwelt allzu schnell unterschätzt oder auf ihre Beeinträchtigung reduziert werden.
Gerade dieser Blick von innen hat mich beim Lesen immer wieder beschäftigt. Wie schnell schließen wir von fehlender Sprache oder bestimmten Verhaltensweisen auf fehlendes Verständnis? Wie oft sprechen Menschen über jemanden, ohne sich bewusst zu machen, dass dieser Mensch jedes einzelne Wort hört und versteht? Brown macht deutlich, wie viel Denken, Fühlen, Sehnsucht und Persönlichkeit hinter einer für uns vielleicht schwer zugänglichen Fassade verborgen sein können.
Besonders gefallen hat mir, wie vielschichtig Brown seine Figuren zeichnet und wie sehr dabei die Individualität jedes einzelnen Menschen im Mittelpunkt steht. Er reduziert niemanden auf seine Beeinträchtigung, sondern zeigt ganz unterschiedliche Persönlichkeiten mit eigenen Gedanken, Wünschen, Eigenheiten und Bedürfnissen. Auch die Menschen, die sie begleiten und betreuen, werden differenziert dargestellt. Gerade dadurch entsteht ein sehr menschlicher Blick auf das Miteinander und darauf, wie unterschiedlich Menschen ihre Umwelt wahrnehmen und erleben.
Mir hat das Buch gut gefallen, vor allem aber hat es meinen Blick erweitert. Dass Woody Brown uns auf diese Weise an seiner Wahrnehmung und seinen Erfahrungen teilhaben lässt und Menschen sichtbar macht, die viel zu häufig unterschätzt werden, empfinde ich als große Leistung.