zwiegespalten
Ich bin sehr zwiegespalten bei der Bewertung dieses Buches. Von der Vermarktung her hätte ich erwartet, es handele sich um einen autobiographischen Roman des Autors und Einsicht in seine spezielle Krankheit und in den Alltag von Menschen, die in einer entsprechenden Einrichtung betreut werden. Dieser Roman ist allerdings eine Aneinanderreihung von einzelnen Kapiteln, die jedes für sich eine abgeschlossene Situation darstellen und nur locker durch die Protagonisten miteinander verbunden sind. Ich hätte erwartet, daß die Person "Walter" in dem Buch auch der Autor des Romans ist, aber nach dem Lesen des Buches bin ich mir da nicht mehr so sicher, denn obwohl das Buch Einblick in die Krankheit gibt, erscheint es mir als nicht sehr wahrscheinlich, daß dies auch der tatsächlichen Situation des Autors entspricht. Meine Meinung stützt sich auf diverse Erwähnungen und Erklärungen im Buch, laut derer eine Person mit einer solchen Krankheit gar nicht in der Lage sei, sich länger als einige Minuten am Stück auf eine bestimmte Aussage oder auch auf ein bestimmtes Wort zu konzentrieren und dieses durch Deuten auf Buchstaben zu buchstabieren und ohne entsprechende Hilfe und permanente Aufforderung überhaupt einen Satz zu bilden. Laut Buchinhalt dauert schon alleine das Buchstabieren zweiter Wörter mehr als eine halbe Stunde. Mir ist auch nicht klar, wie der Autor sich derart detailliert in die Lebensumstände und die Denkweise anderer Menschen hineinversetzen und diese dann auch noch derart schriftlich ausführen kann. Dies betrifft sowohl seine Mitpatienten wie auch die Betreuer und in manchen Situationen auch einfach nur Beobachter einer Szene - wie die Kassiererin in dem Kaufhaus. Ich vergebe deshalb 2,5 Punkte für das Buch, weil es mich inhaltlich nicht überzeugt hat, aber der gute Wille da war.