Eine komplizierte Beziehung

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dany_87 Avatar

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Auf dem Cover von „Ein unerhörter Wunsch“ sieht man drei Frauen, die in Badekleidung zusammen am Strand stehen. Ein warmer Sommertag, der Normalität, Freundschaft und Unbeschwertheit ausdrückt. Der Inhalt dieses Romans ist über weite Teile jedoch eher bedrückend und steht somit im Kontrast zum Cover.

Eliot und Claire sind seit fast vierzig Jahren verheiratet, haben zwei erwachsene Kinder und leben in einem schönen Haus. Eigentlich könnten sie jetzt unbeschwert ihr Lebensalter gemeinsam genießen, wäre da nicht Claires Krebsdiagnose. Inzwischen gilt sie als austherapiert und während sich Eliot auf die Palliativphase mit seiner Frau vorbereitet, hat diese einen ganz anderen Wunsch, wie sie die letzten ihr verbleibenden Monate verbringen möchte. Claire bittet Eliot aus dem gemeinsamen Haus auszuziehen, damit ihre besten Freundinnen seit Studienzeiten – Holly und Michelle – sie auf ihrem letzten Weg begleiten können. Ihm räumt sie lediglich ein Besuchsrecht ein.

Als Leser begleiten wir Eliot. Eine „treue Seele“ (S. 107), wie Claire ihn nennt, und „gutmütigen Klops“ (S. 61), wie ihn sein Sohn betitelt. Widerwillig und irritiert erfüllt er Claire ihren Wunsch. Wie könnte er auch nicht – es ist schließlich ihr Letzter.

"Woher der Wunsch rührte, spielte im Grunde keine Rolle. Es war ihr letzter Wunsch. Punkt." (Seite 149)

Die Geschichte ist ein auf und ab. Häufig fragt man sich, was die beiden überhaupt miteinander verbindet. Claire wirkt oft kalt und als würde sie Eliots Gutmütigkeit ausnutzen. Auch Eliots Gefühle schwanken. Mal hat er körperliche Schmerzen, bei dem Gedanken ein Leben ohne Claire führen zu müssen, mal ist er verletzt und wütend.

Als Leser beschäftigt man sich automatisch mit der Frage, wie man selbst an Eliots Stelle reagieren würde, aber auch, wie und mit wem man sein eigenes Lebens verbringen würde, wenn man wüsste, dass man nur noch wenige Wochen zu Leben hat.

Mir hat gefallen, dass das Buch trotz der Thematik nicht immer nur schwer und bedrückend ist. Außerdem mochte ich die Gespräche, die Eliot mit Vertrauten führt und die kleinen, wiederkehrenden Koch-Szenen. Ganz überzeugen konnte mich der Roman jedoch auch nicht. Zu oft konnte ich Handlungen und Äußerungen von Claire und Eliot nicht nachvollziehen und hätte mir lieber eine abwechselnde Perspektive der beiden gewünscht. Vielleicht hätte ich mich dann besser hineinfühlen können. Für mich bleibt die Frage, ob die beiden sich überhaupt wirklich Lieben oder nur aus Gewohnheit zusammen geblieben sind.

Der Roman von Ann Packer erscheint am 21. Juli 2026 im Verlag Hanser Berlin als Hardcover und umfasst 300 Seiten.