Tiefgründig

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In "Ein unerhörter Wunsch" von Ann Packer lernen wir das Paar Eliot und Claire kennen. Fast 40 Jahre sind sie verheiratet. Sie haben eine Familie gegründet, sich Haus und Freunde aufgebaut, ein glückliches Leben erarbeitet. Auch als bei Claire Krebs diagnostiziert wird, machen Sie das Beste aus der Situation. Als bei Claire die Kräfte schwinden und die Zeit fühlbar aus den Händen rinnt, konfrontiert sie Eliot mit einem letzten Wunsch: Claire will die letzten Wochen anstatt von Eliot von ihren beiden besten Freundinnen gepflegt werden. Für Eliot beginnt damit ein tiefes Gefühlschaos, das ihn an seine Grenzen bringen wird.

Ann Packer deutet im Roman nur dann und wann ganz sanft an, warum Claire diesen Wunsch äußert. Vielmehr wird die Frage zu einem "Wie?" umgeformt. Der Leser folgt einzig und allein der Perspektive von Eliot als Ehemann und bislang pflegendem Angehörigen. Wie diesen Wunsch aushalten, wie die eigene Frau verstehen, wie mit den Rivalinnen in Form der Freundinnen umgehen, wie die in der Pflegezeit eh schon geschrumpften, wenigen eigenen Interessen ausleben?
Der deutsche Titel impliziert im Gegensatz zum Englischen ("Some bright nowhere") eher das moralische Dilemma. Wie kann ein liebender Angehöriger selbstbezogene und impulsive Phasen ertragen ohne die Integrität und Selbstbestimmtheit des Erkrankten zu verletzen?
Wie kann die Liebe in der Entfremdung aufrecht erhalten werden und zwar genau dann, wenn sich Wahrnehmungen und Perspektiven verschieben, wenn sich die Persönlichkeit des Erkrankten verändert und die geliebte Person "schwindet". Was gibt es dann für ein Fundament, um auszuhalten?

Ein sehr vielschichtiger Roman, der tief berührt - für Leser mit Lebenserfahrung.