Todeswellness als Ausweg
„Holly und Michelle hatten ihn beraubt, nicht seiner Frau beraubt, sondern seines Rechts, mit ihr zusammen zu sein.“
Inhalt
Nach neun Jahren schwerer Krankheit, verabschiedet sich Claire aus der Behandlung ihres Onkologen, weil es keine Aussicht mehr auf irgendeine Form von Heilung gibt. Stattdessen begibt sie sich in die häusliche Obhut ihres Mannes gepaart mit der Unterstützung eines Palliativteams. Die Hospizphase beginnt, eine Zeit, die in der Regel nicht länger als ein halbes Jahr Restlebenszeit umfasst. Doch sie ist mit der Entwicklung nicht zufrieden, möchte für sich selbst etwas anderes und bittet ihren Mann darum auszuziehen. Die letzten Wochen auf Erden möchte sie mit ihren Freundinnen Holly und Michelle verbringen. Eliot kann es nicht glauben, führten sie doch ein vorbildliches Eheleben und konnten sich immer aufeinander verlassen. Doch er möchte ihr diesen „letzten“ Willen nicht abschlagen und zieht sich zurück. Für ihn beginnt eine schwere Phase, die schwerste überhaupt – stellt ihre Bitte doch nichts anderes in den Raum, als die Erkenntnis, dass seine Frau ohne ihn glücklicher sein könnte.
Meinung
Auf dieses Buch hatte ich mich sehr gefreut, die intensive Leseprobe, die gewählte Thematik, die klar umrissene Struktur – dieser Roman hatte das Potential zum Lieblingsbuch und lässt mich nun leider etwas enttäuscht zurück. Der sprachliche Teil und der Aufbau des Buches konnten mich überzeugen, bei der Geschichte selbst wurde es schon etwas dünner, weil sie schnell stagniert und nicht mehr vom Fleck kommt. Die größten Probleme hatte ich jedoch mit der einseitigen Erzählstimme und dem inhaltlichen Schwerpunkt.
Dadurch das Eliot, der Ehemann in die Rolle des Erzählers schlüpft, bekommt der Leser fast ausschließlich seine Sicht der Dinge präsentiert. Und hier ist ganz klar: er gibt alles für sie und genügt ihren Ansprüchen dennoch nicht. Die Verzweiflung und Enttäuschung ist erlebbar und gut dargestellt, doch es fehlt der Kerngedanke und die Auseinandersetzung mit dem Sterbeprozess aus Sicht der todkranken Claire. Mein Verständnis für diese Art von Abschiednehmen schwand auf jeder Seite mehr. Gleichzeitig blieb die erhoffte Emotionalität die dem Thema innewohnt und mich immer wieder zu Büchern über das Sterben und den Abschied greifen lässt, weit hinter meinen Ansprüchen zurück. Es gab hier tatsächlich nicht eine einzige Stelle, bei der ich hätte weinen können – stattdessen wuchs meine Wut auf den Umgang des Ehepaares miteinander. Zwischendrin Banalitäten, statt Lebensklugheit – es wird lieber einsam gekocht, als zweisam entschieden.
Fazit
Rein strukturell und unter schriftstellerischen Aspekten betrachtet, ist dies ein solider, gut lesbarer Roman mit der richtigen Stärke und einer klaren Struktur. Aber ich bin hier nicht die passende Leserin, denn die geschilderten Umstände haben mich in keiner Weise traurig gestimmt, auch nicht anteilnehmend, sondern nach und nach wütend-frustriert zurückgelassen. Deshalb werden es hier nur 3 Lesesterne und ein schulterzuckendes „schade drum“ meinerseits. Vielleicht sollte man hier mit einer anderen Erwartungshaltung starten und wenn möglich auch keine neuen Einsichten erhoffen. Claire schafft fast die vorgegebene Zeit von einem halben Jahr, laut ihren Kindern wollte sie im Leben lieber Wogen glätten als Wellen zu schlagen – umso unverständlicher wirkt auf mich ihre Abkehr von ihrem Seelengefährten, insbesondere weil sie auch in ihrem Alternativentwurf nicht das zu finden scheint, was sie sich erhofft haben könnte.
Inhalt
Nach neun Jahren schwerer Krankheit, verabschiedet sich Claire aus der Behandlung ihres Onkologen, weil es keine Aussicht mehr auf irgendeine Form von Heilung gibt. Stattdessen begibt sie sich in die häusliche Obhut ihres Mannes gepaart mit der Unterstützung eines Palliativteams. Die Hospizphase beginnt, eine Zeit, die in der Regel nicht länger als ein halbes Jahr Restlebenszeit umfasst. Doch sie ist mit der Entwicklung nicht zufrieden, möchte für sich selbst etwas anderes und bittet ihren Mann darum auszuziehen. Die letzten Wochen auf Erden möchte sie mit ihren Freundinnen Holly und Michelle verbringen. Eliot kann es nicht glauben, führten sie doch ein vorbildliches Eheleben und konnten sich immer aufeinander verlassen. Doch er möchte ihr diesen „letzten“ Willen nicht abschlagen und zieht sich zurück. Für ihn beginnt eine schwere Phase, die schwerste überhaupt – stellt ihre Bitte doch nichts anderes in den Raum, als die Erkenntnis, dass seine Frau ohne ihn glücklicher sein könnte.
Meinung
Auf dieses Buch hatte ich mich sehr gefreut, die intensive Leseprobe, die gewählte Thematik, die klar umrissene Struktur – dieser Roman hatte das Potential zum Lieblingsbuch und lässt mich nun leider etwas enttäuscht zurück. Der sprachliche Teil und der Aufbau des Buches konnten mich überzeugen, bei der Geschichte selbst wurde es schon etwas dünner, weil sie schnell stagniert und nicht mehr vom Fleck kommt. Die größten Probleme hatte ich jedoch mit der einseitigen Erzählstimme und dem inhaltlichen Schwerpunkt.
Dadurch das Eliot, der Ehemann in die Rolle des Erzählers schlüpft, bekommt der Leser fast ausschließlich seine Sicht der Dinge präsentiert. Und hier ist ganz klar: er gibt alles für sie und genügt ihren Ansprüchen dennoch nicht. Die Verzweiflung und Enttäuschung ist erlebbar und gut dargestellt, doch es fehlt der Kerngedanke und die Auseinandersetzung mit dem Sterbeprozess aus Sicht der todkranken Claire. Mein Verständnis für diese Art von Abschiednehmen schwand auf jeder Seite mehr. Gleichzeitig blieb die erhoffte Emotionalität die dem Thema innewohnt und mich immer wieder zu Büchern über das Sterben und den Abschied greifen lässt, weit hinter meinen Ansprüchen zurück. Es gab hier tatsächlich nicht eine einzige Stelle, bei der ich hätte weinen können – stattdessen wuchs meine Wut auf den Umgang des Ehepaares miteinander. Zwischendrin Banalitäten, statt Lebensklugheit – es wird lieber einsam gekocht, als zweisam entschieden.
Fazit
Rein strukturell und unter schriftstellerischen Aspekten betrachtet, ist dies ein solider, gut lesbarer Roman mit der richtigen Stärke und einer klaren Struktur. Aber ich bin hier nicht die passende Leserin, denn die geschilderten Umstände haben mich in keiner Weise traurig gestimmt, auch nicht anteilnehmend, sondern nach und nach wütend-frustriert zurückgelassen. Deshalb werden es hier nur 3 Lesesterne und ein schulterzuckendes „schade drum“ meinerseits. Vielleicht sollte man hier mit einer anderen Erwartungshaltung starten und wenn möglich auch keine neuen Einsichten erhoffen. Claire schafft fast die vorgegebene Zeit von einem halben Jahr, laut ihren Kindern wollte sie im Leben lieber Wogen glätten als Wellen zu schlagen – umso unverständlicher wirkt auf mich ihre Abkehr von ihrem Seelengefährten, insbesondere weil sie auch in ihrem Alternativentwurf nicht das zu finden scheint, was sie sich erhofft haben könnte.