Vielschichtig in leisen Tönen

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poutschie Avatar

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Der Roman von Ane Packer ist ein emotionaler Angriff auf das, was man am Ende eines Lebens oft als gegeben nimmt.

Bis das der Tod uns scheidet – ein Versprechen, zur Hochzeit gegeben. Nun ist es soweit: Claire ist todkrank, die Behandlungen werden abgesetzt und sie wird palliativ zu Hause von ihrem Mann Eliot betreut. Inmitten dieser häuslichen Pflege offenbart sie den Wunsch, die letzten Tage im Kreise ihrer beiden besten Freundinnen zu verbringen und nicht mit ihrem Mann. Ein ungehöriger Wunsch?

Eliot stürzt dieser Wunsch zumindest in ein emotionales Dilemma. Hin- und Hergerissen zwischen verletztem Stolz, Trauer, Wut und einer fast hilflosen Frage nach Routine („Wie lange genau hat Claire noch zu leben? Die anfänglichen drei bis sechs Monate sind doch schon lange rum.“) versucht er den Alltag zu meistern. Erstmals muss er sich auch mit dem eigenen „danach“ auseinandersetzen – was wird aus ihm, wenn es mit Claire zu Ende geht?

Die Sprache, die Ann Packer findet, ist leise, oftmals fast episodisch erzählt. Dies macht es oft umso intensiver beim Lesen. Nicht jede Emotion und Reaktion seitens Claire und Edgar konnte ich nachvollziehen, nicht jede Handlung ihrer Freundinnen. Aber das zeigt vielleicht nur, wie viel- und unterschiedlich die Begebenheiten sein können, die am Ende eines Lebens noch bestehen. Welche Gefühle darf man haben und zulassen? Was darf man sich von seinen Angehörigen wünschen? Was nicht?

Es zeigen sich die vielen gesagten und auch ungesagten Dinge in einer Partnerschaft. Kleine und große Missverständnisse, gepaart mit Trauer, Wut, Eitelkeiten und dem Wunsch, trotz nahendem Ende und Schmerzen, eine Leichtigkeit und sein eigenes Glück einzubringen.

Ein stiller Roman, ein intensiver Roman, der einen oft innehalten lässt. Für mich ein ganz klarer Favorit in diesem Jahr!