Was Sterbende wünschen - und was sie glauben, wünschen zu müssen
Nach jahrelangem Kampf gegen ihre Brustkrebserkrankung wird die rund 60-jährige Claire inzwischen zuhause von Ehemann Eliot und dem Team einer Palliativeinrichtung betreut. Eliot hat seinen Beruf aufgegeben und Claire ist sich bewusst, dass Entscheidungen ihrer Familie und Freunde für deren Zukunft sie selbst kaum noch betreffen werden. In ihrer Selbsthilfegruppe hat sie miterlebt, wie das Mitglied Susan in ihren letzten Lebenstagen inmitten ihrer Schwestern, Töchter und Freundinnen verbracht hat – und genau so möchte Claire sterben. Als sie Eliot mitteilt, dass sie ihre letzen Tage mit Michelle und Holly, ihren Freundinnen aus Studienzeiten, verbringen will und er dazu das Haus zu verlassen hätte, klingt das nicht nur unerhört, sondern zugleich völlig unrealistisch. Eliots Fürsorge für die sterbende Claire besteht nicht allein aus Hausarbeit und Schaffung einer barrierefreien Wohnung, sondern umfasst Verantwortung für die Medikamentengabe, sowie zahlreiche Entscheidungen, die nicht beliebig zu delegieren sind. Als Eliot sich sichtlich gekränkt in Hollys Gästezimmer zurückzieht, fand ich die Ausgangssituation der geplanten Mädels-Aktion ohne Eliot daher extrem unrealistisch. Durch Eliots Rückblick auf Beruf, Ehe und das Aufwachsen seiner Kinder entsteht jedoch das Bild eines komplizierten Menschen, den Claire zu nehmen wusste und den sie geschickt zu der Einsicht leitet, dass er sich dringend auf ein Leben ohne Claire und ohne den Krebs vorbereiten sollte. Absolut tröstlich fand ich in der unfreiwilligen Ruhepause Eliots Begegnung mit seinem Old-Boys-Dinner-Club, der regelmäßig Kochwettbewerbe veranstaltet – auf dessen Mitglieder Eliot zählen kann und die ihn ebenfalls zu nehmen wissen.
Fazit
Nach einem Einstieg, der zunächst extrem unrealistisch schien, entwickelt sich „Ein unerhörter Wunsch“ zu einem berührenden Roman, der die Rolle des pflegenden Angehörigen würdigt und die Frage aufwirft, welchen Abschied Sterbende wünschen und was sie glauben, sich wünschen zu müssen.
4 1/2 Sterne
Fazit
Nach einem Einstieg, der zunächst extrem unrealistisch schien, entwickelt sich „Ein unerhörter Wunsch“ zu einem berührenden Roman, der die Rolle des pflegenden Angehörigen würdigt und die Frage aufwirft, welchen Abschied Sterbende wünschen und was sie glauben, sich wünschen zu müssen.
4 1/2 Sterne