Eine traurige Liebesgeschichte

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marie1908 Avatar

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„Eine Liebe ohne Sommer“ von Timothy Paul ist so ein Buch, das man aufschlägt, um kurz reinzuschnuppern – und plötzlich sitzt man zwei Stunden später immer noch da, leicht schief auf dem Sofa, mit kaltem Kaffee und einem Kloß im Hals. Paul erzählt von zwei Menschen, die sich nicht nur ineinander, sondern auch in die Lücken zwischen den Jahreszeiten verirren. Klingt pathetisch? Ist es manchmal auch. Aber genau das macht den Reiz aus: Diese Geschichte traut sich, große Gefühle ohne ironisches Augenzwinkern zuzulassen, und schafft es trotzdem, nie kitschig zu werden.

Was mich gepackt hat, ist weniger der Plot (der bewusst leise bleibt) als die Stimmung: knarzende Dielen, Gespräche, die im Falschen enden, weil niemand das Richtige sagen kann. Paul schreibt in Bildern, die nicht blenden wollen, sondern nachglühen. Sätze, die erst simpel wirken und dann wie eine Melodie im Kopf hängen bleiben. Wenn er über verpasste Gelegenheiten schreibt, tut das auf genau die unaufgeregte Art weh, die man erst auf Seite 150 bemerkt, wenn man merkt, wie sehr man den Figuren die richtige Abzweigung gewünscht hätte.

Klar, es gibt Stellen, die einen Tick zu sauber gefügt sind, ein Dialog, der zu schön schließt, um echt zu sein. Aber selbst dann klappt das Buch nicht in sich zusammen – es atmet weiter, getragen von einer sanften, melancholischen Wärme. Für alle, die Beziehungsgeschichten mögen, in denen Schweigen lauter ist als jedes Bekenntnis, ist das hier ein kleiner Volltreffer. Kein Schicksalsdonner, sondern Regen auf warmem Asphalt – und genau deshalb bleibt’s