Nicht klassisch, aber echt

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franci Avatar

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Was, wenn eine Liebesgeschichte endet, bevor sie wirklich begonnen hat? Was, wenn auf ewig die Frage bleibt: „Was hätte sein können?“ Und „Wären wir ganz groß gewesen?“

„Eine Liebe ohne Sommer“ beginnt bei der Tragik, die das Leben bereithält, bei Rosa, die schon nach wenigen Wochen ihre potenzielle Liebe gehen lassen musste und doch nicht dazu bereit ist.
Und so macht sie sich auf, den Mann, an den sie ihr Herz verloren hat und von dem sie so wenig wusste, zu hinterfragen und neu kennenzulernen. Wandelt auf seinen Spuren, sucht nach seinen Abdrücken und den Menschen, die ihm wichtig waren.
Nach und nach trägt die junge Frau Fragmente zusammen, sammelt verschiedene Eindrücken und setzt Stück für Stück ein ihr unbekanntes, ein anderes Bild von Nikolas zusammen, eines, das zwar nie seine Gesamtheit, seine Komplexität vollends wiedergeben wird, und doch …

Timothy Paul schrieb seinen Liebesroman voller Gefühl, in sanften, ruhigen Tönen, ohne zu überdramatisieren, und schuf auf diese Art eine Geschichte, die mit authentischen, realitätsnahen Momenten berührt; mit alltäglichen Dingen statt großer Gesten oder hochtrabender Worte überzeugt. Nah am Leben und glaubhaft. Eingebettet in bittersüße Melancholie, alles übertönende Wehmut, gespickt mit Wahrheiten und Humor, skurrilen Szenen und schweigsamer Stille.

Trauer, Verlust und das Danach spielen eine zentrale Rolle bei Rosas Mission – nicht der Tod selbst steht im Fokus, sondern die, die zurückbleiben. Zusätzlich schwingt die subtile Frage mit, inwieweit wir uns in eine Vorstellung verlieben; wie weit wir die Realität, den tatsächlichen Menschen, von unseren Erinnerungen und Gefühlen romantisieren lassen.
Der Autor geht ehrlich und echt mit der Ambivalenz von Erinnerungen um – die gleichzeitig schmerzhaft und tröstlich sind. Vor denen mensch flüchten will und die gleichzeitig festgehalten gehören.

Paul bestückt seine Handlung mit einer Mischung unterschiedlicher Charaktere, die nicht alle sympathisch, dafür individuell waren und eine gewichtige Rolle innehalten. Hier und da musste ich Lachen und Schmunzeln, was die oft bedrückende, unaufgeregte Stimmung angenehm auflockerte. Doch wie zu erwarten gab es auch Szenen, die tief treffen, Luft anhalten lassen, Gänsehaut verursachen.
Auf ihrer Suche entdeckt Rosa unerwartetes und auch wir werden mehrfach dazu angehalten, über Nikolas und sein Verhalten zu spekulieren. Dies gibt der Geschichte eine fesselnde, geheimnisvolle Note, die durchaus mitreißt. Bis zum Schluss.

„Eine Liebe ohne Sommer“ ist kein klassischer Liebesroman, aber einer, der nachhallt.