Unperfekt perfekt

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europeantravelgirl Avatar

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Der Blurb auf der Rückseite verheißt einen Pageturner. Ein solcher definiert sich für mich als packende Story, die ich in einem Rutsch herunterlese. Nämlich die Liebesgeschichte von Rosa und Nikolas, die zu früh endet, weil Nikolas zu früh stirbt. Könnte man eigentlich pageturnend suchten.

Und genauso war es nicht. Vielmehr hat Rosa mich auf weiten Strecken auf meinem Roadtrip durch die Bretagne begleitet und beschäftigt. Ich habe an diesem Roman länger gelesen als erwartet. Doch wieso?

Weil er perfekt beginnt. Rosa würde verstehen, was ich meine. Kann man sagen, dass ein Roman zu schöne Haare hat? (Sorry, wer es gelesen hat, wird es verstehen!). Hier sitzt jedes Wort. Jeder Dialog ist ein pointiertes Feuerwerk der Schlagfertigkeit. Man spürt, dass die Sprache hier nicht mit dem breiten Pinsel aufgekleistert, sondern fein getupft und wohl dosiert wurde. Chapeau für dieses gelungene Arrangement und den klugen Hintersinn. Aber dennoch bleibt die Story… wie Nikolas. Nämlich eigentlich zu perfekt, um wahr zu sein. Und ich zweifle, ob ich wirklich die Geschichte liebe oder nur deren makellose Gestaltung.

Doch dann kommt der zweite Teil. Und wie Rosa Nikolas näher kennenlernt und sich ein zweites Mal in ihn verliebt, ergeht es mir mit dem Roman. Denn plötzlich dürfen wir hinter die Kulissen schauen, dürfen stattdessen in Herzen schauen. Und für mein Empfinden hat sich hier auch die Sprache verändert. Dialoge erscheinen mir nicht mehr wie aus der Pointenpistole geschossen, sondern aufrichtig und authentisch. Und dann bin ich plötzlich ganz nah an den Figuren dran, an den Konflikten und am großen Gefühl.

Und dann hatte die Liebe doch noch ihren Sommer.