Natürlich gibt es Feen!

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piecewartenoch Avatar

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Emma hält nichts davon, den ganzen Tag drinnen zu hocken. Sie ist lieber draußen und erkundet die Umgebung, vor allem den alten, verwitterten Park hinter dem Haus ihrer Familie. Doch eines Tages hat sie eine unglaubliche Begegnung und findet sich geschrumpft in einer Welt aus riesigen Pflanzen und Tieren und kleinen Feen wieder, die überhaupt nicht begeistert sind, dass Emma aus Versehen in ihre Welt gestolpert ist.
Ein neues Cornelia Funke-Buch sorgt im ersten Moment bei mir immer für Schnappatmung – natürlich vor Überraschung und Vorfreude. Besonders schön ist es, dass die Autorin sich für dieses Plädoyer für die Natur einen wundervollen, talentierten Illustratoren ins Boot geholt hat: Elias Linnekuhl gibt „Emma glaubt nicht an Feen“ eine bildliche Gestalt, die verzaubert. Und Cornelia Funke schwingt mal wieder ihren Schreibzauberstab. Sie schafft eine Welt, die uns zumindest vom Namen her – fällt doch wiederholt der Begriff „Das grüne Königreich“ – bekannt vorkommt und einen in den Bann zieht. Die Vorstellungen, die Welt aus einer völlig anderen Perspektive zu sehen, mit der Natur auf Augenhöhe zu sein und ihre Gefährlichkeit, aber auch Schönheit zu erleben, lässt Neid auf unsere Protagonistin Emma aufkommen. Wie gerne würde jeder mal ein solches Abenteuer bestreiten? Doch die Feen sind keine Menschen mit kleiner Körpergröße, zierlichen Gliedern, einem Spitzhut und magischen Kräften. Stattdessen haben sie ganz unterschiedliche Formen und Farben, aber vor allem spitze Krallen und sind längst keine freundlichen, munteren Gesellen – bis auf Ausnahmen. Zunächst begegnet Emma großer Feindseligkeit, schließlich ist sie ein Mensch, der alles nur kaputt macht, oder? Aber drei Feen erkennen, dass Emma ein grünes Herz hat, und wollen ihr helfen zu ihrer alten Größe und ihrer Familie zurückzugelangen. Besonders gefallen hat mir Cardo, eine Distelfee, die zwar zu Beginn etwas störrig und widerwillig ist, sich aber allmählich für das Menschenmädchen erwärmt. Aber auch Zigola, der süße Goldammer, war eine wundervolle Reisebegleitung – nur schade, dass sie sich verliebt hat und auf einmal weg aus der Geschichte war.
Und es gibt leider doch ein wenig zu kritteln an diesem Kinderbuch: Der Start ins Abenteuer ist doch etwas all zu schnell. Im einen Moment lernen wir die Familie und Emma kennen und zack, bäng sind wir im Geschehen: Emma ist klein gezaubert und in schrecklicher Gefahr. Vielleicht müssen Bücher heutzutage so geschrieben sein, damit die Kinder nicht zu schnell das Interesse verlieren. Ich hätte aber gerne noch ein wenig Emmas Alltag und Familie kennengelernt, damit die Emotionen einfach noch größer gewesen wären. Schließlich ist die Vorstellung, seine Eltern vielleicht nie wieder zu sehen oder auf der anderen Seite sein Kind als vermisst zu melden, schrecklich.
Außerdem habe ich mich zum Ende hin gefragt, was Emma eigentlich geleistet hat? Sie ist eine erschreckend passive Protagonistin. Immer wird sie gerettet; ihre einzige Handlungen sind ein zufälliges Lächeln, zu trinken und einen Rucksack zu verschenken. Ansonsten leiten die Feen ihren Weg, helfen ihr beim Laufen oder setzen sich für sie ein. Selbst beim großen Höhepunkt – der sehr schnell vorbei ist – macht Emma nichts als da zu sitzen. Auch hier sind es die Feen, die die Lösung haben. Ich verlange nicht, dass Emma ein Schwert schwingt. Aber in irgendeiner Form aktiv wird.
Mein persönliches Highlight sind definitiv die wunderschönen Farb- und Schwarz-weiß-Illustrationen von Elias Linnekuhl sowie die Naturliebe in der Geschichte, die immer wieder fantastische Formulierungen hervorbringt und auch tolle innere Bilder auferstehen lässt. Die Welt des grünen Königreich ist ebenfalls ein spannender Aspekt. Nur vollends konnte die Geschichte mich nicht überzeugen. Aber allen Kindern mit einen ebenso grünen Herz wie Emmas und allen Erwachsenen, die Geschichten von Cornelia Funke lieben oder Illustrationskunst zu schätzen wissen, kann ich das Buch wärmstens empfehlen.