Fäden des Schicksals?!

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poisonalice Avatar

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Der Roman von Marit Warncke hat mich zuerst aufgrund des entzückenden Buchcovers angesprochen. Obwohl ich mehr Stadt- als Landkind bin und nicht besonders Handarbeitsbegabt hat der Klapptext mich sehr neugierig gemacht. Die Aussicht das ein altes Gutshaus in Mecklenburg-Vorpommern eine Hauptrolle spielt, hat mir richtig gut gefallen und mich zum Lesen animiert.

Zum Inhalt kurz: Nach dreizehn Jahren kehrt Karla in das Gutshaus ihrer Familie in Lüttenbü zurück. Sie ist ausgebrannt und wurde gerade gefeuert. Eigentlich will sie das Haus so schnell wie möglich renovieren um es dann zu verkaufen. Zu groß sind die Enttäuschungen und Konflikte welche mit diesem Haus zusammenhängen. Als ausgerechnet Rasmus, Karlas erste große Liebe beim Renovieren hilft, flammen alte Konflikte, Familiengeheimnisse und Gefühle wieder auf. Das Karla ihre alte Nähmaschine auf dem Dachboden wiederfindet und eine vergessen geglaubte Leidenschaft Erinnerungen, Träume und Wünsche wieder erweckt könnte vielleicht ein neuer Anfang sein?

Die Autorin hat einen sehr angenehmen, lockeren und flüssigen Erzählstil. Die Beschreibungen des Gutshauses, der Stoffe beim Näh-Snack und der Personen sind sehr bild- und lebhaft. Der fiktive Ort Lüttenbü hat direkt Sehnsuchtsgefühle in mir ausgelöst. Die Hauptfigur des Romans, Karla ist sehr authentisch und charakterstark, ich konnte direkt nachfühlen wie ausgebrannt und unglücklich sie sich zum Beginn des Buches gefühlt hat. Ihre Zerrissenheit und das Gefühlschaos welches mit ihrer Rückkehr nach Lüttenbü verbunden sind, werden sehr realistisch dargestellt. Auch Rasmus, Vi und vor allem Erika waren mir gleich sympathisch. Die Geschichte wird in unregelmäßigen Abständen von den Geschehnissen aus Karlas letztem Sommer in Lüttenbü ergänzt. Das hat mir sehr gut gefallen. Überrascht war ich von der Geschichte des Gutshauses, welche die Autorin gekonnt in die Geschichte eingewoben hat. Insgesamt muss ich sagen, dass es kein seichter Liebesroman ist, dafür wurden durchaus ernste Themen angesprochen und thematisiert. Die Autorin versteht es auch ernste Themen wie Krankheit und historische Ereignisse taktvoll und empathisch zu erzählen und vollständig in die Geschichte einzubetten. Die Gefühle zwischen den einzelnen Figuren werden realistisch und ohne Kitsch dargestellt. Das Ende des Buches ist einfach nur schön, hier gehe ich natürlich nicht ins Detail. Natürlich hätte ich noch gern viele Seiten weitergelesen, aber man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Auch wenn es bedeutet Tränen in den Augen zu haben.

Mein Fazit: das Buch ist auf jeden Fall lesenswert! Ein Roman wie eine warme Kuscheldecke aber mit Tiefgang. Ich hatte wunderbare Lesestunden und habe mich sehr wohl gefühlt mit diesem wunderbaren Roman. Ein einziger Wehmutstropfen bleibt für mich, ich kann leider nicht nähen und bin absolut unbegabt, deshalb werde ich leider Karlas Kissen nicht nachnähen können.