Vom Wiederfinden und Neuanfängen

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gartenmichi Avatar

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„Fäden des Glücks“ ist ein ruhiger, einfühlsamer Roman, der dazu einlädt, sich Zeit zu nehmen für sich selbst, für Kreativität und für neue Wege im Leben. Marit Warncke schaffe es, eine Atmosphäre zu erzeugen, in der man sich als Leser sofort wohlfühlt und ganz in die Geschichte eintauchen kann.
Im Mittelpunkt steht Karla, deren Leben von Leistungsdruck und einem fordernden Job in der Unternehmensberatung bestimmt wird, bis sie unerwartet gekündigt wird. Dieser Einschnitt führt sie zurück zum alten, vernachlässigten Gutshaus ihrer Familie in Lüttenbü. Dort beginnt nicht nur eine äußere Renovierung, sondern für Karla auch eine innere.
Die Geschichte spielt überwiegend im Frühjahr 2025 und wird kapitelweise mit Datumsangaben begleitet, was eine klare zeitliche Orientierung gibt. Gleichzeitig gibt es Rückblicke ins Jahr 2012, die nach und nach die Vergangenheit und Karlas emotionale Entwicklung verständlich machen.
Der Schreibstil ist angenehm ruhig und unaufgeregt. Man kann der Handlung leicht folgen, sich gut in Karla hineinversetzen und ihre Gedanken und Gefühle nachvollziehen. Auch die Beschreibungen des Hauses und des Umfeldes sind so anschaulich, dass man sich alles lebhaft vorstellen kann.
Ein zentrales Thema des Romans ist die Wiederentdeckung von Kreativität, insbesondere durch die Hausrenovierung und -gestaltung und das Wiederentdecken des Nähens. Eine Nähanleitung für eine Kissenhülle am Ende des Buches lädt dazu ein, selbst kreativ zu werden.
Neben der persönlichen Geschichte bringt die Autorin auch historische Tiefe mit ein. Sie greift die Zeit des zweiten Weltkrieges und das Schicksal von Zwangsarbeiterinnen auf. Dies wird sensibel in die Handlung integriert, ohne die Leichtigkeit der Gegenwartsgeschichte zu überlagern.
Marit Warncke beschreibt im Anhang, wie sie die Hintergründe recherchiert hat.
Insgesamt ist „Fäden des Glücks“ eine ruhige, berührende Lektüre, die hier und da zum Nachdenken anregt, ohne zu schwer zu sein. Es ist ein Buch über Neuanfänge, alte Wunden und die Kraft, sich selbst wiederzufinden und dabei den Mut zu haben, eigene Träume umzusetzen.