Deutlich mehr als Märchensammler

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„Fast wie im Märchen“, die Romanbiographie der Brüder Grimm von Tilman Spreckelsen kommt zunächst als sehr schon gestaltetes Buch daher – mit vielen Stichen aus der Hand des jüngeren Bruders Ludwig Emil Grimm, mit einer ausführlichen Zeitleiste sowie einem üppigen Personenregister und Anmerkungsapparat.
Neben den berühmten Märchensammlern und Verfassern des Deutschen Wörterbuchs, Jacob und Wilhelm Grimm, wird auch das Leben der Geschwister skizziert – wenngleich in deutlich geringerem Maße. Die interessierten Leser:innen werden mit den häufigen Umzügen der Familie konfrontiert, mit den liebenswerten – und auch weniger liebenswerten – Eigenschaften der Protagonisten, mit ihrer unterschiedlichen Herangehensweise an Literatur und Ordnung.
Sammler sind beide Brüder – und ich hätte zu gern erfahren, wie sie es schafften, einen Überblick über die vielen kopierten Manuskripte zu behalten, wie sie diese gelagert und wiedergefunden haben. Das ist leider ein Manko an Spreckelsens durchaus sehr kenntnisreichen und tiefgehenden Ausführungen – denn diese Informationen gibt es nicht.
Spreckelsen schreibt flüssig und gut lesbar, auch wenn der Detailreichtum manches Mal überhandnimmt. Was mich aber wirklich nachhaltig irritiert hat, ist die Benennung der vielen Freunde und Weggenoss:innen. Während Clemens Brentano oftmals nur einfach „Clemens“ genannt wird, ist Achim von Arnim immer „von Arnim“.
Faszinierend finde ich die vielfältigen Beziehungen zu anderen Schriftsteller:innen, zu Adligen, zu politisch Engagierten der Zeit. Schon im 19. Jahrhundert wusste man um die Relevanz des Networkings.
Ich habe viel Neues gelesen, bin aber in einigen Bereichen noch neugierig: Mehr hätte ich gerne noch über die Schwierigkeiten des Reisens erfahren – und auch über die Zeit in der Paulskirchenversammlung oder über die Göttinger Sieben.