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Vor etwa fünfzehn Jahren bekam ich Steffen Martus' sehr anerkannte Biografie der Brüder Grimm geschenkt. Ehrlich gesagt: Ich tat mich schwer mit dem durch und durch wissenschaftlich geprägten Werk - es steht im Regal und verstaubt.

Ganz anders Tilman Spreckelsens "Fast wie im Märchen". Hier spürt man den journalistischen Hintergrund, der sich auch im leichter fassbaren Schreibstil zeigt. Man sollte sich allerdings über eines klar sein: Es handelt sich nicht um eine unterhaltsame Romanbiografie, sondern ein sorgfältig und umfassend recherchiertes Sachbuch, ein attraktiv ausgestattetes Nachschlagewerk.

Wir lernen Wilhelm und Jacob Grimm samt ihrer Familie gut kennen, erfahren alles Mögliche über ihre Lebenssituation, ihre liebenswerten und weniger angenehmen Eigenschaften, manche Schrullen und Marotten. Spreckelsen zieht oft Briefwechsel der Brüder heran, sodass die Informationen aus erster Hand stammen und das Geschriebene mit Leben erfüllen.

Die Grimms sind weit mehr als "nur" Märchensammler, was sich auch am Aufbau des Buches ablesen lässt. Vertiefend nimmt sich erst das zehnte Kapitel der Kinder- und Hausmärchen an.

Die Brüder beschäftigten sich mit Geschichte, Sprache, Recht und veröffentlichten in diesem Bereich. Man denke nur an das Mammutprojekt "Deutsches Wörterbuch". Eine schöne Idee in diesem Zusammenhang ist es, jedem Kapitel einen Begriff daraus samt Erläuterung voranzustellen.

Jacob und Wilhelm waren als politische und auch politisch engagierte Menschen an den umwälzenden Ereignissen des neunzehnten Jahrhunderts direkt beteiligt: Jacob als Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung in der Paulskirche, und beide Brüder als Mitglieder der Göttinger Sieben.

Die Einordnung geschichtlicher Entwicklungen gelingt Spreckelsen außerordentlich gut: Immer wieder schildert er politische Umstände und Veränderungen, um dann wieder die Verbindung zu den Grimms und ihren (literarischen) Weggenossen und Freunden zu schaffen.

Insgesamt war Spreckelsens Biografie keine ganz leichte, aber sehr gewinnbringende Lektüre für mich. Sie wird ihren festen Platz in meinem Bücherregal finden und dass sicherlich, ohne Staub anzusetzen.