"Unsere Sprache ist auch unsere Geschichte"
Dieses Zitat von Jacob Grimm, dem älteren der berühmten „Märchenbrüder“, gibt sehr genau wieder, wie stark Wilhelm und Jacob Grimm ihre Muttersprache und die lebenslangen Studien und Forschungen zu ihr am Herzen lagen. An vielen Büchern arbeiteten sie gemeinsam, so an ihrer Sammlung der berühmten „Kinder- und Hausmärchen“ - wobei Jacob den Fokus auf die Ursprünge und Authentizität legte, während es Wilhelm vor allem auf eine literarische verständliche Wiedergabe ankam – und später an dem „Deutschen Wörterbuch“, einem gigantischen Unternehmen, das sie allerdings zu Lebzeiten nicht beenden konnten.
Doch wie wuchsen die Brüder auf und wie lebte die Familie Grimm?
Sehr lebendig schildert Tilman Spreckelsen Kindheit und Jugend der Geschwister, erzählt von ihren Plänen und gemeinsamen Projekten später als Erwachsene. Aber wir erfahren auch zahlreiche Details über ihre Eltern und die Schicksale der jüngeren Brüder Ludwig Emil, Carl und Ferdinand und ihre Schwester Charlotte, die alle ihr Leben lang als Familie zusammenhielten.
Er nimmt seine Leser mit auf eine Zeitreise in das ausgehende achtzehnte und die erste Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, und mit seinem bildreichen Stil gelingt ihm mühelos, sie in den Alltag der Protagonisten hinein zu versetzen. Detailgetreu und sensibel beleuchtet der Autor die sozialen Verhältnisse sowie die politischen Ereignisse jener Zeit, an denen (zumindest teilweise) auch Jacob Grimm beteiligt war. Er schafft Nähe zu den historischen Personen, indem er Lebensgefühl, Hoffnungen und Ängste einzelner Familienmitglieder erläutert, jeweils dokumentiert durch Briefe oder Tagebucheintragungen.
Mein Fazit: Ein wunderbarer Lesestoff, akribisch recherchiert und anschaulich aufbereitet, nicht nur für Germanisten!