Weit mehr als ein Sachbuch

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kleine hexe Avatar

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Wenn wir von den Brüdern Grimm sprechen, denken wir sofort an die Deutschen Hausmärchen, wie Schneewittchen, die Geiß mit den sieben Geißlein, Rapunzel, Jorinde und Joringel, usw. usf. Aber Jakob und Wilhelm Grimm waren nicht nur Märchensammler. Sie hinterließen außerdem zahlreiche Studien und das deutsche Wörterbuch mit etwa 330.000 Einträgen, beginnend mit Wörtern und Begriffen aus dem 15. Jahrhundert.
Spreckelsen verfolgt ihren Werdegang und ihr Leben von den Anfängen bis zu ihrem Tod. Wenn wir von den Brüdern Grimm sprechen, meinen wir Jakob und Wilhelm Grimm. Aber es waren insgesamt fünf Brüder und eine Schwester, Charlotte, die das Erwachsenenalter erreichten. Emil Ludwig Grimm war ein talentierter Maler und Buchillustrator, dem leider nie der große Durchbruch gelang. Ohne seine Bilder würden wir heute nicht mehr wie Jakob, Wilhelm, Clemens Brentano, Achim von Arnim und viele andere Persönlichkeiten der Zeit aussehen. Die anderen zwei Brüder dieser Generation der Grimm-Familie waren so etwas wie Sorgenkinder, taten sich schwer einen Beruf zu ergreifen und allgemein mit dem Leben. Doch Jakob und Wilhelm ließen sie nie im Stich, kümmerten sich um sie, akzeptierten sie letztendlich so wie sie waren, mit all ihren Unvollkommenheiten und ihrem Wesen.
Es ist die Zeit der Jahrhundertwende 18/19. Napoleon hat die deutschen Landen nach eigenem Gutdünken umgemodelt, Königreiche für seine zahlreiche Sippschaft daraus geformt, französische Gesetze und Gepflogenheiten eingeführt. Deutsche Bürger bemühen sich um Posten in der französischen Verwaltung oder fliehen ins Exil, wie die Tante Henriette Zimmer, die Zeit ihres Lebens allen Grimms eng verbunden bleibt und sie alle tatkräftig unterstützt, ihnen auch immer beratend zur Seite steht. Denn die Geschwister Grimm werden früh zu Waisen, Charlotte, die jüngste Schwester ist erst 14 Jahre alt, als die Mutter stirbt und nun den Haushalt der Brüder führen muss.

Vieles erfahren wir durch den regen Briefwechsel der Geschwister untereinander, aber auch mit Freunden und bekannten literarischen Persönlichkeiten dieser Zeit.

Die Rechtschreibung in den Briefen ist bezaubernd, ähnelt fast der heutigen, nach der Rechtschreibreform. Aber zu der Zeit waren die Orthographie-Regeln noch nicht festgelegt, Groß- und Kleinschreibung oblagen dem Willen des Schreibers, wie auch den Worten eine Schriftform zu geben.

Spreckelsen hat hervorragende Pionierarbeit geleistet. Wie viel Zeit er wohl in Bibliotheken und Archiven verbracht hat, um uns dieses wunderschöne Buch zu präsentieren? Seine Recherchen waren umfassend und mannigfaltig. Es galt ja nicht nur Jakob und Wilhelm Grimm, sondern auch die nächsten Verwandten, Freunde und Mitwirkende, wie Clemens Brentano, Friedrich Carl von Savigny, bedeutender Rechtsgelehrter und Hochschulprofessor, Achim von Arnim und Bettine von Arnim, Johann Wolfgang von Goethe, Ludwig Tieck und viele mehr, in ihren Archiven zu erforschen, Zusammenhänge zwischen den Briefen und Werken zu erkennen und darzustellen.


“Fast wie im Märchen” ist ein Sachbuch, es ist ein trockenes Sachbuch, es ist ein trockenes Sachbuch voller Namen, Zahlen und Fakten. Es ist ein großartiges und spannendes Sachbuch, das man nicht mehr aus der Hand legen möchte.
Einziges (klitzekleines) Manko: ein Stammbaum der Familien Grimm und Zimmer wäre vielleicht hilfreich gewesen.