Whiskey Sour, Lockdown, Verrat

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Diese Leseprobe hat einen Sog, den man erstmal verdauen muss. Belle Burden eröffnet nicht mit dem Knall, sondern mit den Fischadlern auf Martha’s Vineyard, die jedes Jahr zurückkommen und ihr Nest bauen. eine zärtliche Naturschilderung, die im Nachhinein wie Hohn wirkt, denn ihr eigenes Nest fliegt ihr wenige Seiten später um die Ohren.

Das Timing sitzt: März 2020, mitten im Lockdown, und Burden verwebt geschickt zwei Katastrophen: die globale und die private. Während draußen Kühlwagen durch New York fahren, bricht drinnen eine Zwanzig-Jahre-Ehe zusammen, ausgelöst durch einen anonymen Anruf, während sie gerade den Boden wischen will.

Sprachlich bleibt sie nah dran, fast protokollarisch. Kurze Sätze, kein Pathos. Details wie die zu lange im Ofen vergessenen Teigtaschen tragen die Geschichte mehr als große Gefühlsausbrüche. Einziger Wermutstropfen: Der Ehemann bleibt fast zu kalt gezeichnet, fast Klischee-Bösewicht. Macht trotzdem neugierig auf den Rest.