Wie gut kennen wir die Menschen, die wir lieben?

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jana_f.s. Avatar

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Mich reizt an "Fremde" von Belle Burden vor allem die Frage, wie gut wir die Menschen kennen, mit denen wir unser Leben teilen. Dass eine über zwanzigjährige Ehe scheinbar aus dem Nichts zerbricht und der vertrauteste Mensch plötzlich wie ein Fremder wirkt, ist hier der erschütternder Ausgangspunkt für Burdens Buch. Besonders spannend finde ich, dass Burden nicht nur die Trennung selbst beschreibt, sondern auch den schmerzhaften Prozess, die gemeinsame Vergangenheit neu zu betrachten und sich zu fragen, welche Warnzeichen man vielleicht übersehen hat.

Bereits die Lektüre der Leseprobe hat mein Interesse sehr angeregt und weckt beste Erwartungen auf ein sehr persönliches Memoir über Vertrauen, Identität und den Mut, mit fünfzig Jahren durch aufgezwungene äußere Veränderungen noch einmal ganz von vorne anzufangen. Gerade die Mischung aus schonungsloser Ehrlichkeit und der Entwicklung hin zu neuer weiblicher Selbstbestimmung spricht mich als Fan von Deborah Levy, Rachel Cusk etc. sehr an. Ich denke, dass "Fremde" ein Buch sein wird, das die Lesenden nicht nur im Moment bewegt, sondern auch lange nachhallt, weil es eine Angst aufgreift, die viele Menschen kennen: Dass der Mensch, den man am besten zu kennen glaubt, sich plötzlich als jemand völlig anderes entpuppt.