Authentisch, Nahbar, Hoffnungsvoll

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kaberke Avatar

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Belle Burden zeichnet ein zutiefst persönliches, nachvollziehbares und verletzliches Bild ihrer Ehe, die ohne Erklärung und ohne erkennbare Vorboten zu Bruch gegangen ist. Anders erzogen und anders sozialisiert, möchte sie jedoch nicht klammheimlich Gras über die Sache wachsen lassen und alles mit „Fassung und Würde“ ertragen. Stattdessen verarbeitet sie ihre Liebes- und Trennungsgeschichte in einem ehrlichen, keineswegs verbitterten und stellenweise kämpferischen Roman.
Es wirkt, als könne sie dadurch, dass sie ihre Version der Geschichte erzählt, einen Teil ihrer Kämpfernatur zurückerobern. Ich finde es wunderbar, wenn Frauen sich wehren, sich öffnen, kämpfen, ihrer Wut Raum geben und eben nicht stillschweigend ertragen, was Männer sich nur allzu oft leisten – und sich in unserer Gesellschaft leider häufig auch leisten können.
Ich wünsche ihr, dass sie aus der Resonanz auf diesen Roman für sich mitnehmen kann, dass mit ihr nichts falsch ist. Für mich zeigt ihre Geschichte vielmehr, wie sehr gesellschaftliche Strukturen Männern bis heute Freiheiten zugestehen, deren Folgen oft von Frauen getragen werden.
Trotzdem war Strangers für mich keine uneingeschränkte 5-Sterne-Lektüre, sondern eher eine 4/5. Das lag vor allem am Schreibstil. Ich weiß nicht, ob es an der Übersetzung lag, aber einige Formulierungen wirkten auf mich etwas sperrig oder holprig und haben mich immer wieder aus dem Lesefluss gerissen. Gleichzeitig hatte ich den Eindruck, dass hinter der Sprache viel Feingefühl steckt und manche Passagen eine große emotionale Kraft entfalten. Deshalb kann ich mir gut vorstellen, dass das Original stilistisch noch einmal anders wirkt.
Ich würde das Buch allen empfehlen, die selbst einmal etwas Ähnliches erlebt haben, aber auch denen, die verstehen möchten, warum Trennungen manchmal so unerklärlich erscheinen, weshalb Menschen oft lange brauchen, um über einen Verlust hinwegzukommen, und wie es dennoch möglich ist, aus einer niederschmetternden Situation etwas Neues entstehen zu lassen – ganz ohne Verbitterung oder Rachegelüste.