Von der Ehefrau zur Frau - bewegend

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baffany Avatar

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„Fremde – Die Geschichte einer Ehe“ ist ein autobiografisches Werk. Es ist bemerkenswert zu lesen, wie die Autorin mit der Situation umgeht nachdem ihr Mann – nach über 20 Jahren – quasi aus einem ganz gewöhnlichen Tag heraus mitteilte, dass er die Ehe inklusive der Kinder nicht mehr wolle. Eine Situation, die zwar für sie einmalig ist, doch so schon x-fach anderen (Ehe)-Partnern widerfahren ist. Sachlich und sehr emotional zugleich beschreibt Belle Burden aus ihrer Erinnerung und arbeitet auf.
Bereits auf den ersten Seiten ist die Stärke von Belle Burden zu spüren. Ihr nach Antworten suchen und ihren Kindern Werte bewusst vorleben zu wollen, spiegelt sich in der Art ihrer subjektiven Schilderung wieder. Ich freue mich, dass mir dies hervorragend geschriebene Buch in die Hände gekommen ist. Statt sich auf den Rat ihres (Ex-)Ehemannes einzulassen, das Narrativ der gemeinsamen Trennungsentscheidung zu verbreiten, geht sie offensiv mit ihren Erfahrungen aus ihren Über- und Herausforderungen, ihrer Scham sowie ihrer neuen Rolle um und arbeitet so an ihren verletzenden Schicksalsschlag. Es wirkt als lasse sie die Verantwortung dort, wo sie ist und nähme bewusst ihren Anteil der Verantwortung an.

Von ihrer Kindheit und Sozialisation, dem Kennenlernen des Vaters ihrer Kinder über gemeinsame Entscheidungen, vom Ehevertag über Aufgabenteilung, Geburten über Unterstützung bis hin zur Freizeitgestaltung gewährt die Autorin Einblicke. Den Namen ihres Ex-Mannes hat sie im Buch verändert. Ich habe den Eindruck, dass sie ihre Reflektion schildert. Ihren Weg nachzeichnet. Sie mit wertschätzenden Blick zurückschaut. Auch auf die Frau mit tradiertem Rollenbild, die sie damals war. Ich hatte immer das Gefühl behutsam mitgenommen zu werden.  Es macht auf mich den Eindruck, dass auf das Waschen schmutziger Wäsche verzichtet wird, obwohl sie über einiges schreibt, was so mancher wohl eher unter den Teppich gekehrt hätte. Es könnte ihr ihre juristische Erfahrung und Profession dabei zu Gute gekommen sein. Ihr Schreibstil vermittelt Authentizität. Klar und direkt beschreibt sie, für mich nachvollziehbar, ihre Situation und ihre Sicht auf ihre Geschichte. Bereichernd und interessant finde ich, dass sie auch auf generationsübergreifende Verhaltensmuster schaut. Mutig, verletzlich und stark erscheint mir Belle Burden und ihr Lebensweg. Spannend, dass aus der erschütternden Lebenswendung die Realisierung eines vergessenen Wunsches wird.

Da mich ihre Gedanken über ihre Ehegeschichte und ihre persönliche Entwicklung berührt haben, empfehle ich ihr Erstlingswerk sehr gern weiter. Insbesondere für Menschen, die sich - für sich unvermittelt- in einer Trennung befinden, kann die Art und Weise des Hinschauens eine Bereicherung bieten. Ein Mut-mach-Buch selbst handlungsfähig zu werden und das eigene Leben zu gestalten.