Geschichte einer Ehefrau

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melb2508 Avatar

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Belle Burden ist 3fache Vollzeitmutter, 50 Jahre alt und mit ihrer Familie in ihr Ferienhaus auf Marthas Vineyard der beginnenden Corona Pandemie entflohen, als ihr Leben sich radikal ändert. Ihr Mann verlässt sie und die Familie - und wird für sie ein Fremder. 
Belle Burden ist eine wohlhabende Frau aus einer Familie, die berühmt und bekannt ist. Sie erlebt etwas, das nicht ungewohnt ist, auch nicht in ihrer eigenen Familie - Untreue und Scheidungen, aber auch finanzielle Notlagen sind Dinge, die sie bei nahen Verwandten ebenfalls erlebt hat. Dennoch war sie nicht darauf vorbereitet, was die Entscheidung ihres Mannes wirklich für Auswirkungen auf sie und ihre Familie hat und wie sehr sie selbst sich  verändern wird. 
Der Roman ist ein Memoir, der sich aus einem Essay weiter entwickelt hat, den sie mitten in den Scheidungsverhandlungen geschrieben hat und der ihr mit dabei geholfen hat, diese Zeit in ihrem Leben zu überstehen. 
Er ist natürlich sehr persönlich und das hat mir sehr gefallen. Wir kommen beim Lesen Belle sehr nah, sie lässt den Lesenden wirklich in ihr Inneres blicken, teilt ihre Ängste und Sorgen, ist offen in Bezug auf ihre Schüchternheit und Unsicherheiten, ihre Wut und ihre Verzweiflung. Aber bei all dem bleibt sie immer fair und hackt nicht auf ihrem ehemaligen Ehemann herum. Ja, man spürt ihre Ohnmacht, man spürt, wie sehr es sie trifft, dass er ein Fremder für sie geworden ist, aber gleichzeitig hält sie auch für die gemeinsamen Kinder daran fest, dass ihre Ehe und ihre Familie gut waren und dass sie diese Zeit vermisst und absolut nicht bereut. Wie Belle erfahren wir ebenfalls nicht, warum genau James, ihr Ehemann, sich so verhalten hat und es weiterhin tut. Sie gibt ein paar Ansätze mit aus seiner Biographie und seiner beruflichen Entwicklung, aber sie sagt auch ehrlich, dass auch bei ihr viele Fragen unbeantwortet bleiben und sie noch immer manchmal hofft, ein letztes erklärendes Kapitel zu erhalten. 
Wir lesen von einer Frau, die sich durchschlägt, die weiter macht, für ihre Kinder, aber auch für sich und ihre Würde. Eine Frau, die sich helfen lässt, die reflektiert, wie sie sich verhält und auch, wie sich die Menschen in ihrem Umfeld verhalten. Die persönliche Geschichte der Autorin ist umrahmt von einer Art Nebenhandlung - in Sichtweite ihres Hauses auf Martha´s Vineyard lebt ein Fischadlerpaar, das jedes Jahr in das Nest zurückkehrt und Nachwuchs ausbrütet. Dieses Bild ist ein so schönes und treffendes Bild für das, was Belle verloren zu haben scheint, aber eben auch dafür, dass sie die Vergangenheit nicht aufgeben und verbittert ablehnen möchte. 
Fremde ist ein Buch, das mich sehr beschäftigt und wirklich mitgenommen hat und ein Buch, das ich sehr gerne und uneingeschränkt weiterempfehle!