Sektion einer gescheiterten Ehe
Belle Burden: Fremde
Die Geschichte einer Ehe
Ein biografischer Roman vom Luchterhand Verlag, scharf analysiert, absolut erschütternd!
Man geht sicherlich nicht mit einem guten Gefühl aus dem Buch heraus, aber man hat mit Sicherheit ein sehr gutes Buch gelesen, auch mit dem Wissen, dass nichts im Leben sicher ist und dass uns diejenigen, die uns am nähesten stehen, vielleicht am fremdesten sind.
Worum geht’s?
„Ich dachte die ganze Zeit, ich wäre glücklich verheiratet.“
Belle Burden ist bis zu dem Tag, als ihr Mann James sie verlässt, eine glückliche Ehefrau mit drei Kindern. Behütet aufgewachsen, gebildet, studiert, war sie finanziell nie von ihrem Mann abhängig. Im Gegenteil, wohlwissend, dass sie leidenschaftlich geliebt wird, spielt der Ehevertrag für sie keine große Rolle. James als Headfonds-Manager verdient unfassbar viel Geld, dreht aber jeden Cent zweimal um, was sie nicht weiter stört, da er der Familie stets ein sicherer Anker ist.
Belle ist zudem in einer Generation aufgewachsen, in der üblich ist, dass man sich als Frau selbst hinten anstellt, dem Mann den Rücken ja freihält, und sie genießt es zweifelsfrei, in ihrer Mutterrolle aufzugehen, wie auch in jeder anderen Rolle, die ihr die elitäre New Yorker Gesellschaft zugetragen hat.
Warum sie verlassen worden ist, ist ihr überhaupt nicht klar. Sie bekommt auch von James selbst keine klare Antwort darauf. Zermartert sich das Hirn bis hin zu Gedanken, wie - ist es, weil er mit dem Hund immer Gassi gehen musste?
Mit Unverständnis, Selbstzweifeln und Vorwürfen von anderen Ehefrauen und Ehemännern muss sie leben und sich durch eine quälende Scheidung kämpfen.
Worum geht es nicht?
Es geht in diesem Buch nicht darum, dass eine Frau von ihrem Mann verlassen worden ist. Es geht nicht darum, dass ein paar Fehler gemacht worden sind, während einer schmutzigen Scheidung. Es geht nicht um Rache. Es geht nicht um Hass Männern gegenüber.
Vielmehr geht es um die Scham, die Frauen trifft, wenn ihr Leben von einer Lawine überrollt worden ist, denn „ viele Frauen, die herausfinden, dass ihre Ehemänner/Lebensgefährten ein heimliches Zweit Schleben führen, stoßen auf Ablehnung und Manipulation, wenn sie versuchen, Antworten zu finden - das macht sehr einsam, und es fällt einem schwer, sich nicht zu schämen.“
Es geht um ein Erbe ihrer weiblichen Vorfahren, die so erzogen worden sind, dass sie schweigen, dass sie ihren Männern nach wie vor zuarbeiten, damit diese sich auch nach der Scheidung nicht schlecht fühlen und ihr Ansehen innerhalb der Gesellschaft wahren können. „Wir waren alle dazu erzogen worden, die Lücken zu füllen. Die Männer hinter ließen, über das Fehlverhalten unserer Männer Stillschweigen zu bewahren und einfach würdevoll weiterzumachen.“
Es geht darum, dass Frauen, wenn sie verlassen worden, dennoch die Schuld am Scheitern der Ehe zugesprochen wird, weil es nun mal ihre natürliche Aufgabe ist, dass Familienleben zusammenzuhalten. Es geht um die Art und Weise, wie Männer ihre Rolle innerhalb der Familie sehen, wie sie sich von einem Tag auf den anderen unabhängig machen können, frei von Verantwortung und frei von den Kindern, stattdessen sei die Autorin eine schlechte Mutter, die den Vater ihrer Kinder zur Rechenschaft zieht.
All das hat mich an dieser Geschichte erschüttert wie auch die Erkenntnis, dass James sein Verhalten bis zum Schluss nicht reflektieren, weder Schuld noch Scham empfinden kann.
„Sie konnte nicht wissen, was für ein Mensch ihr Ehemann ist, weil er nicht in der Lage ist, mit den eigenen inneren Widersprüchen und Unsicherheiten umzugehen. Deswegen war er der Rebell.“
Mich hat dieser Text - nicht zuletzt aufgrund seines Stls und einnehmenden Schreibweise - komplett überzeugt.
Die Geschichte einer Ehe
Ein biografischer Roman vom Luchterhand Verlag, scharf analysiert, absolut erschütternd!
Man geht sicherlich nicht mit einem guten Gefühl aus dem Buch heraus, aber man hat mit Sicherheit ein sehr gutes Buch gelesen, auch mit dem Wissen, dass nichts im Leben sicher ist und dass uns diejenigen, die uns am nähesten stehen, vielleicht am fremdesten sind.
Worum geht’s?
„Ich dachte die ganze Zeit, ich wäre glücklich verheiratet.“
Belle Burden ist bis zu dem Tag, als ihr Mann James sie verlässt, eine glückliche Ehefrau mit drei Kindern. Behütet aufgewachsen, gebildet, studiert, war sie finanziell nie von ihrem Mann abhängig. Im Gegenteil, wohlwissend, dass sie leidenschaftlich geliebt wird, spielt der Ehevertrag für sie keine große Rolle. James als Headfonds-Manager verdient unfassbar viel Geld, dreht aber jeden Cent zweimal um, was sie nicht weiter stört, da er der Familie stets ein sicherer Anker ist.
Belle ist zudem in einer Generation aufgewachsen, in der üblich ist, dass man sich als Frau selbst hinten anstellt, dem Mann den Rücken ja freihält, und sie genießt es zweifelsfrei, in ihrer Mutterrolle aufzugehen, wie auch in jeder anderen Rolle, die ihr die elitäre New Yorker Gesellschaft zugetragen hat.
Warum sie verlassen worden ist, ist ihr überhaupt nicht klar. Sie bekommt auch von James selbst keine klare Antwort darauf. Zermartert sich das Hirn bis hin zu Gedanken, wie - ist es, weil er mit dem Hund immer Gassi gehen musste?
Mit Unverständnis, Selbstzweifeln und Vorwürfen von anderen Ehefrauen und Ehemännern muss sie leben und sich durch eine quälende Scheidung kämpfen.
Worum geht es nicht?
Es geht in diesem Buch nicht darum, dass eine Frau von ihrem Mann verlassen worden ist. Es geht nicht darum, dass ein paar Fehler gemacht worden sind, während einer schmutzigen Scheidung. Es geht nicht um Rache. Es geht nicht um Hass Männern gegenüber.
Vielmehr geht es um die Scham, die Frauen trifft, wenn ihr Leben von einer Lawine überrollt worden ist, denn „ viele Frauen, die herausfinden, dass ihre Ehemänner/Lebensgefährten ein heimliches Zweit Schleben führen, stoßen auf Ablehnung und Manipulation, wenn sie versuchen, Antworten zu finden - das macht sehr einsam, und es fällt einem schwer, sich nicht zu schämen.“
Es geht um ein Erbe ihrer weiblichen Vorfahren, die so erzogen worden sind, dass sie schweigen, dass sie ihren Männern nach wie vor zuarbeiten, damit diese sich auch nach der Scheidung nicht schlecht fühlen und ihr Ansehen innerhalb der Gesellschaft wahren können. „Wir waren alle dazu erzogen worden, die Lücken zu füllen. Die Männer hinter ließen, über das Fehlverhalten unserer Männer Stillschweigen zu bewahren und einfach würdevoll weiterzumachen.“
Es geht darum, dass Frauen, wenn sie verlassen worden, dennoch die Schuld am Scheitern der Ehe zugesprochen wird, weil es nun mal ihre natürliche Aufgabe ist, dass Familienleben zusammenzuhalten. Es geht um die Art und Weise, wie Männer ihre Rolle innerhalb der Familie sehen, wie sie sich von einem Tag auf den anderen unabhängig machen können, frei von Verantwortung und frei von den Kindern, stattdessen sei die Autorin eine schlechte Mutter, die den Vater ihrer Kinder zur Rechenschaft zieht.
All das hat mich an dieser Geschichte erschüttert wie auch die Erkenntnis, dass James sein Verhalten bis zum Schluss nicht reflektieren, weder Schuld noch Scham empfinden kann.
„Sie konnte nicht wissen, was für ein Mensch ihr Ehemann ist, weil er nicht in der Lage ist, mit den eigenen inneren Widersprüchen und Unsicherheiten umzugehen. Deswegen war er der Rebell.“
Mich hat dieser Text - nicht zuletzt aufgrund seines Stls und einnehmenden Schreibweise - komplett überzeugt.