Über das Ende einer tiefen Liebe – und den Weg zurück zu sich selbst

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luisabella Avatar

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»So schnell, wie unsere Geschichte begann, so schnell endete sie auch wieder. Beides geschah wie aus dem Nichts. […] Er wollte die Ehe, er wollte mich. Dann wollte er beides nicht mehr.« (79)

In ihrem Memoir »FREMDE. Die Geschichte einer Ehe« erzählt Belle Burden (Ü: Charlotte Breuer) vom plötzlichen Ende ihrer über zwanzigjährigen Ehe. Aus zwei Liebenden, Ehepartner*innen und Eltern werden Fremde. Als ihre Ehe nach mehr als zwanzig Jahren von der Affäre ihres Mannes erschüttert wird, dachte Belle, dass sie diejenige sein würde, die entscheidet, wie es mit ihrer gemeinsamen Ehe weitergehen würde. Doch James verlässt sie und das gemeinsame Familienleben mit ihren drei Teenie-Kindern zu Beginn der Corona-Pandemie. In ihrem Roman sucht sie rückblickend nach Erklärungen: Gab es Warnzeichen, die sie übersehen hat? Waren die gemeinsamen Jahre und Liebe echt?

»Es war alles schön, bis zu dem Tag, an dem er alles zerstört hat. […] Nein, ich werde unsere gemeinsamen Erinnerungen nicht überdenken, denn sie sind wahr, und sie gehören uns.« (291)

Besonders eindrücklich beschreibt Belle Burden den Schmerz, verlassen zu werden, ohne Antworten zu bekommen. Die Trennung bedeutet für sie nicht nur den Verlust eines Menschen, sondern auch ihrer eigenen Zukunftsvision und einer Identität.

»Ich hatte meine Identität als Ehefrau verloren und musste mich daran gewöhnen, außerhalb der Norm zu leben, außerhalb dessen, was einmal mein Ideal gewesen war.« (246)

Gleichzeitig hätte ich mir an manchen Stellen mehr Tiefe gewünscht. Belle Burden erwähnt ihren privilegierten Hintergrund ebenso wie ihre Depression, setzt sich mit beiden Themen jedoch nur am Rande auseinander. Gerade hier hätte der Roman für mich noch stärker werden können. Gleichzeitig ist genau das vielleicht auch nicht sein Anspruch: Dieses Buch will keine gesellschaftliche Analyse sein, sondern die persönliche Geschichte einer Frau erzählen, die nach einer tiefen Verletzung ihre eigene Stimme wiederfindet.

Es ist ein sehr persönliches Memoir, in dem Belle Burden den Fokus auf das Verlassenwerden, die damit verbundene Identitätskrise und das schmerzhafte Entfremden legt. Ihren privilegierten Hintergrund, den luxuriösen Lebensstil ihrer Familie und auch ihre Depression erwähnt sie, hier hätte ich mir mehr Tiefe und kritische Reflexion über ihre Privilegien gewünscht. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass der Anspruch dieses Memoirs keine gesellschaftliche Analyse ist. Besonders beeindruckt hat mich, wie Belle Burden sich schreibend ihre eigene Stimme zurückerobert – trotz des manipulativen Verhaltens ihres Ex-Mannes.

Ein berührendes Memoir darüber, wie aus einem geliebten Menschen ein Fremder wird – und die Rückeroberung der eigenen Stimme.