Vorsicht, schmerzhaft ehrlich! Eine Familienaufarbeitung

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marcialoup Avatar

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Ein erschütternder, ehrlicher Bericht über eine Ehe, Belle's Ehe mit James, die von einer auf die andere Stunde endet. Ohne Vorhersehbarkeit. Im kuscheligen Home-Dress sitzt Belle eben noch gemütlich auf dem Sofa und ist nun eine geschiedene Frau! Aus dem beschützenden Kokon einer Familie hinausgeworfen in eine kalte einsame Welt, in der der Partner, der eben noch nah war, fremder ist, als eine unbekannte Person. Vor der plötzlich geöffneten Tür klafft ein Abgrund ohne sicheren Boden.
Mitten im Corona-Lockdown und dem familieneigenen Alltag kommt wie aus dem Nichts ein Anruf, der wie ein Tornado Belle's Leben durchfegt und Unfassbares zu Tage befördert, das das Gehirn gar nicht klar aufnehmen kann...
Das stabile Fundament zerfällt in Schockmomente. Eben noch ein Paar, Familie mit drei Kindern, nun allein mit allen Sorgen, allen Pflichten, allem anderen... und... endlosem Schmerz, der über allem steht. Der unfassbar grausame Schmerz, der horizontal, vertikal und mitten durchs Herz schießt, der jede Faser im Körper lähmt, der Tränen losschickt, die gequält und ohne Ende laufen und doch keinen Trost geben, dieser Schmerz beherrscht den Alltag, der mit klaffenden Wunden durch die Stunden pocht.

Eindringlich beschreibt Belle ihre Situation, die den Leser so nah erreicht, als erlebe man es selbst.
Vorsicht, es tut weh!

Und dann kommt die Erinnerung, die mit der Suche nach Schuld und Wahrheit beginnt.
Warum?
Warum musste das geschehen?
Erinnerungen ans eigene Leben... Analysen über sich selbst, über ihre beiden Familien, James!
Was ist mit James?
Warum ist er gegangen und plötzlich so unnahbar, so kalt, absolut fremd. Wo gibt es Parallelen in seinem Leben, seiner Familie?
Zerwürfnisse hat jeder zu bekunden.
Sollten das schon die Puzzleteile gewesen sein, die unweigerlich zu dieser Trennung führten? Schicksal im Buch der Ahnen? Kleine Details, die man zu Beginn der Verliebtheit übersehen hat?

Belle hat ein Netzwerk um sich, das sie zunächst auffängt, ihr eine Ahnung von neuem Halt gibt, ohne den sie total untergehen würde.
Ihre Kinder, auch sie möchten betreut sein und wieder behütet, auch wenn ein Elternteil fehlt, auch ihre Ängste und Gefühle müssen gehört werden. Aber wie, wenn einem für sich selbst die Kraft fehlt?

Belle erzählt mit bewundernder Offenheit die traumatischen Erlebnisse ihres Wegs aus der Krise mit Rückblicken und Blick nach vorn.
Dabei findet sie Zusammenhänge aus familiären Mustern in der Vergangenheit.
Tragen wir also alle ein Stück unserer Herkunftsfamilie in uns, auf das wir keinen Einfluss haben, weil durch Prägung und Vorleben Muster entstanden sind nach denen wir unbewusst handeln?!

Überraschend wie blind Belle sich zu Beginn der Beziehung auf James eingelassen hat mit all ihrem Hab und Gut, das nicht wenig war, um einem beinahe mittellosen James aus ihrem Treuhandfond ein schönes Leben einzurichten und dabei ihren eigenen beruflichen hochdotierten Werdegang zu cutten und auf Familie zu setzen. Belle ist mein Jahrgang... Doch in ihrer Geschichte steckt noch der angestaubte Hauch der Siebziger, in der Frauen sich angepasst haben, während James sein Patriarchat noch leben konnte...

Die Geschichte verwandelt sich von schmerzhaften, dramatischen Anfangsszenen in eine Familienaufarbeitung.