Zwischen Kontrolle und Kontrollverlust
👾
𝘥𝘪𝘦 𝘛𝘢𝘱𝘦𝘵𝘦 𝘪𝘯 𝘥𝘦𝘳 𝘯𝘦𝘶𝘦𝘯 𝘞𝘰𝘩𝘯𝘶𝘯𝘨 𝘸𝘢𝘳 𝘢𝘭𝘵 𝘶𝘯𝘥 𝘨𝘦𝘭𝘣, 𝘶𝘯𝘥 𝘥𝘢𝘴 𝘉𝘭𝘶𝘮𝘦𝘯𝘮𝘶𝘴𝘵𝘦𝘳 𝘥𝘢𝘳𝘢𝘶𝘧 𝘴𝘢𝘩 𝘢𝘶𝘴 𝘸𝘪𝘦 𝘷𝘪𝘦𝘭𝘦 𝘒𝘰̈𝘱𝘧𝘦 𝘬𝘭𝘦𝘪𝘯𝘦𝘳 𝘔𝘰𝘯𝘴𝘵𝘦𝘳
💭
Wow. Schon Cover und Titel haben bei mir sofort Neugier ausgelöst. Geheimnisvoll, irritierend, anders. Der Klappentext hat dieses Gefühl nur verstärkt, und spätestens nach der Leseprobe war klar: Dieses Buch will gelesen werden.
Daher vielen Dank an @vorablesen und @suhrkampverlag für das Rezensionsexemplar!
Im Zentrum steht Charlie, die zu einem Antiaggressionstraining muss. Anfangs wundert man sich noch, tastet sich vorsichtig an sie heran. Doch Stück für Stück kommen Details ans Licht: was passiert ist, wie sie reagiert, wie sie denkt. Charlie ist extrem verkopft, naiv und gleichzeitig manipulativ. Sie betreibt eine Art subtilen Psychoterror, fast unsichtbar und gerade dadurch so eindringlich. Gleichzeitig blitzen immer wieder Hinweise auf, dass vieles aus ihrer Vergangenheit stammt: aus ihrer Kindheit, aus der schwierigen Beziehung zur Mutter.
Ich mochte besonders, wie Charlies innere Erwartungshaltung beschrieben wird: „Jetzt würde das passieren“, „jetzt würde er das sagen“ voller Hoffnung. Und dann kommt alles anders, kippt, reißt etwas in ihr auf. Diese Momente sind emotional extrem wirkungsvoll.
Auch Charlies Freundschaften sind alles andere als einfach. Vor allem die Beziehungen zu Ella und Valentin sind von Abhängigkeit geprägt. Sie braucht sie und doch tun sie ihr nicht immer gut. Gerade die Verbindung zu Valentin ist hochgradig toxisch: Beide verletzen sich, beide tragen Schuld, und trotzdem scheinen sie einander zu brauchen. Diese Ambivalenz macht die Figuren so unangenehm real.
Besonders stark fand ich, dass hier ein Thema aufgegriffen wird, das man so selten liest: Aggressionen von Frauen. Dazu die große, unbequeme Frage: Was ist eigentlich ein schlechter Mensch? Das Buch urteilt nicht, sondern zeigt Lebensrealitäten, Widersprüche und Grauzonen. Niemand hat das Recht, über Charlies Wert als Mensch zu entscheiden und genau diese Spannung hält der Roman konsequent aus.
Der Schreibstil von Clara Leinemann ist außergewöhnlich und hat mich dezent an Caroline Wahl erinnert. Detailreich, melancholisch, manchmal fast schmerzhaft genau und dabei unglaublich flüssig. Man ist sofort mitten in Charlies Gedankenwelt. Besonders hängen geblieben sind mir Szenen wie die Bahnfahrt, in der Charlie der Frau gegenüber sitzt und sich aus ihren Gedankengängen ein intensiver, beinahe unangenehmer Dialog entwickelt. Oder das erste Aufeinandertreffen mit Valentin, als er nach ihrer Nummer fragt. So fein beobachtet, so lebendig, dass man sofort emotional andockt, obwohl man Charlie eigentlich noch kaum kennt.
𝘎𝘦𝘭𝘣𝘦 𝘔𝘰𝘯𝘴𝘵𝘦𝘳 ist für mich ein wirklich tolles, einzigartiges Buch: berührend, fordernd, unbequem und gleichzeitig fesselnd. Ein Roman, der lange nachhallt und den man nicht einfach wegliest.
Für alle, die offen für Neues sind. Für alle, die auch die dunkleren, widersprüchlichen Seiten von Menschen sehen wollen. Und für alle, die Literatur mögen, die nicht erklärt, sondern spüren lässt.
⭐️⭐️⭐️⭐️☆,₅
(9/10)
𝘥𝘪𝘦 𝘛𝘢𝘱𝘦𝘵𝘦 𝘪𝘯 𝘥𝘦𝘳 𝘯𝘦𝘶𝘦𝘯 𝘞𝘰𝘩𝘯𝘶𝘯𝘨 𝘸𝘢𝘳 𝘢𝘭𝘵 𝘶𝘯𝘥 𝘨𝘦𝘭𝘣, 𝘶𝘯𝘥 𝘥𝘢𝘴 𝘉𝘭𝘶𝘮𝘦𝘯𝘮𝘶𝘴𝘵𝘦𝘳 𝘥𝘢𝘳𝘢𝘶𝘧 𝘴𝘢𝘩 𝘢𝘶𝘴 𝘸𝘪𝘦 𝘷𝘪𝘦𝘭𝘦 𝘒𝘰̈𝘱𝘧𝘦 𝘬𝘭𝘦𝘪𝘯𝘦𝘳 𝘔𝘰𝘯𝘴𝘵𝘦𝘳
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Wow. Schon Cover und Titel haben bei mir sofort Neugier ausgelöst. Geheimnisvoll, irritierend, anders. Der Klappentext hat dieses Gefühl nur verstärkt, und spätestens nach der Leseprobe war klar: Dieses Buch will gelesen werden.
Daher vielen Dank an @vorablesen und @suhrkampverlag für das Rezensionsexemplar!
Im Zentrum steht Charlie, die zu einem Antiaggressionstraining muss. Anfangs wundert man sich noch, tastet sich vorsichtig an sie heran. Doch Stück für Stück kommen Details ans Licht: was passiert ist, wie sie reagiert, wie sie denkt. Charlie ist extrem verkopft, naiv und gleichzeitig manipulativ. Sie betreibt eine Art subtilen Psychoterror, fast unsichtbar und gerade dadurch so eindringlich. Gleichzeitig blitzen immer wieder Hinweise auf, dass vieles aus ihrer Vergangenheit stammt: aus ihrer Kindheit, aus der schwierigen Beziehung zur Mutter.
Ich mochte besonders, wie Charlies innere Erwartungshaltung beschrieben wird: „Jetzt würde das passieren“, „jetzt würde er das sagen“ voller Hoffnung. Und dann kommt alles anders, kippt, reißt etwas in ihr auf. Diese Momente sind emotional extrem wirkungsvoll.
Auch Charlies Freundschaften sind alles andere als einfach. Vor allem die Beziehungen zu Ella und Valentin sind von Abhängigkeit geprägt. Sie braucht sie und doch tun sie ihr nicht immer gut. Gerade die Verbindung zu Valentin ist hochgradig toxisch: Beide verletzen sich, beide tragen Schuld, und trotzdem scheinen sie einander zu brauchen. Diese Ambivalenz macht die Figuren so unangenehm real.
Besonders stark fand ich, dass hier ein Thema aufgegriffen wird, das man so selten liest: Aggressionen von Frauen. Dazu die große, unbequeme Frage: Was ist eigentlich ein schlechter Mensch? Das Buch urteilt nicht, sondern zeigt Lebensrealitäten, Widersprüche und Grauzonen. Niemand hat das Recht, über Charlies Wert als Mensch zu entscheiden und genau diese Spannung hält der Roman konsequent aus.
Der Schreibstil von Clara Leinemann ist außergewöhnlich und hat mich dezent an Caroline Wahl erinnert. Detailreich, melancholisch, manchmal fast schmerzhaft genau und dabei unglaublich flüssig. Man ist sofort mitten in Charlies Gedankenwelt. Besonders hängen geblieben sind mir Szenen wie die Bahnfahrt, in der Charlie der Frau gegenüber sitzt und sich aus ihren Gedankengängen ein intensiver, beinahe unangenehmer Dialog entwickelt. Oder das erste Aufeinandertreffen mit Valentin, als er nach ihrer Nummer fragt. So fein beobachtet, so lebendig, dass man sofort emotional andockt, obwohl man Charlie eigentlich noch kaum kennt.
𝘎𝘦𝘭𝘣𝘦 𝘔𝘰𝘯𝘴𝘵𝘦𝘳 ist für mich ein wirklich tolles, einzigartiges Buch: berührend, fordernd, unbequem und gleichzeitig fesselnd. Ein Roman, der lange nachhallt und den man nicht einfach wegliest.
Für alle, die offen für Neues sind. Für alle, die auch die dunkleren, widersprüchlichen Seiten von Menschen sehen wollen. Und für alle, die Literatur mögen, die nicht erklärt, sondern spüren lässt.
⭐️⭐️⭐️⭐️☆,₅
(9/10)