Besonders, wie auch das Cover.

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kurzundbuch Avatar

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Dieses grelle, fast neonhafte Grün passt perfekt zum Titel Giftiger Grund von Thomas Knüwer (Droemer Verlag, 2026). Das Cover hat mich sofort angesprochen, der Klappentext versprach Spannung, einen Kriminalroman mit düsterem Kern. Ich war ehrlich gesagt auf etwas deutlich Blutrünstigeres eingestellt.
Erzählt wird aus der Ich-Perspektive. Joran, frisch aus dem Gefängnis entlassen, versucht, irgendwie wieder Halt zu finden. Charu betreibt einen erfolgreichen Instagram-Account mit Fotografien von Lost Places. Und auch das geheimnisvolle Mädchen ist von Beginn an präsent. Die drei kreisen immer wieder um die verlassene Tankstelle. Dieser Ort verschwindet nie ganz aus dem Blick, sondern bleibt als Motiv konstant im Hintergrund, mal als Treffpunkt, mal als Projektionsfläche.
Über weite Strecken stehen jedoch die Lebensgeschichten der jungen Menschen im Vordergrund. Jorans Vergangenheit als Ex-Häftling, sein Ringen um einen Neustart. Charus Erfahrungen mit toxischem männlichem Verhalten und Missbrauch. Das sind schwere Themen, die viel Raum einnehmen. Der eigentliche Kriminalfall entwickelt sich langsamer, als ich erwartet hatte. Es ist ein Kriminalroman, so steht es auf dem Cover, aber keiner, der auf Splatter oder spektakuläre Gewalt setzt.
Grausam ist die Geschichte trotzdem. Nur anders, leiser. Die Brutalität liegt weniger im Blut als in den Biografien, in dem, was Menschen einander antun und was sie mit sich herumtragen. Das hat mich mehr beschäftigt als ein klassischer „Schocker“ es vermutlich getan hätte.
Der Erzählstil ist schlicht, beobachtend, reflektiert und passt gut zu den Figuren. Ich mochte diese Zurückhaltung.