Eine Hommage an Siebenbürgen
„Halber Stein“ von Iris Wolff
Taschenbuchausgabe, Erscheinungstermin 14.02.2026 im Klett-Cotta Verlag, 320 Seiten.
Erstausgabe im Otto Müller Verlag 2012 erschienen.
"Einer der Träume, die länger bleiben, heißt Heimat, auch wenn dieses Wort über die Jahrhunderte mit so unterschiedlichen Bedeutung verwendet wurde, dass es sich fast gänzlich aufgelöst hat. Ich hatte dieses Wort gehütet und mit mir herumgetragen und hatte es verloren geglaubt, als ich dort ankam, wo ich es vermutete." (S. 103)
"Halber Stein“ führt die Lesenden in eine besondere Familiengeschichte aus Siebenbürgen, Rumänien.
Sine, die Protagonistin des Romans, fährt mit ihrem Vater Johann nach Michelsberg, einem kleinen Dorf in der Nähe von Hermannstadt. Der Grund der Reise ist allerdings ein sehr trauriger, denn ihre Großmutter ist verstorben, und so muss die Beerdigung in der alten Heimat organisiert werden. Sine fährt mit sehr konträren Gefühlen nach Rumänien, da sie auf der einen Seite noch schöne Kindheitserinnerungen in sich trägt, auf der anderen Seite aber auch eine große Wehmut in ihr wohnt, da sie das Land seit ihrer Ausreise als kleines Mädchen mit ihren Eltern vor 20 Jahren nicht wieder besucht hat.
In Michelsberg angekommen überkommen Sine viele Kindheitserinnerungen in dem Haus ihrer Großmutter Agneta. Warum hatte sie es innerhalb der letzten 20 Jahre nach ihrem Umzug nach Deutschland nicht mehr geschafft, hierher zu kommen? Wir begleiten sie durch die Erinnerungen ihrer Kindheit im kommunistischen Rumänien der 80er Jahre, auch insbesondere an die dörfliche Gemeinschaft und die innige Beziehung zu ihrer Großmutter in Siebenbürgen. Sie trifft während ihres Besuchs unter anderem auf Julian Eminescu, ihren besten Freund aus Kindertagen. Aber auch andere Dorfbewohnende, die ein enges Verhältnis zu ihrer Großmutter hatten, kommen Sine näher. Sie begibt sich während dieser Tage auf eine Spurensuche, die Suche nach den Wurzeln der Familie, ihrer Sehnsucht sowie ihrer eigenen Identität. Sie erfährt mehr über ihre Großmutter, dieser imposanten Frau, die bereits zu Zeiten des Krieges das Familienunternehmen, eine Färbereit alleine geführt hat, während ihr Großvater im Krieg war und später verändert als gebrochener Mann zurückkam. Sie erkennt, dass ihre Großmutter zu diesen Zeiten bereits eigene Wege gegangen ist und sich auch durch die Enteignung des Kommunismus nicht unterkriegen ließ.
Sine bekommt auch einen neuen Blick auf die eigene Auswanderung nach Deutschland, stellt sich und ihrem Vater die Frage: "Würde man es nach dem Wissen heute und seinen Erfahrungen genauso machen?" Hätte man nicht in der Heimat bleiben sollen? Eine innige Auseinandersetzung mit der Identität der Siebenbürger Sachsen und Siebenbürgen im Allgemeinen.
"Halber Stein" ist das vierte Buch, das ich von der Autorin gelesen habe. Wie bereits in den anderen Werken kommt hier die besondere poetische und bildhafte Sprache zum Ausdruck. Iris Wolff schreibt nicht nur, sie erschafft Landschaften, die ich mir wahrlich bildhaft vorstellen kann, und verknüpftet diese auf wunderbare Weise mit dem inneren Gefühlserleben ihrer Protagonistin.
Das Werk ist für mich eine Hommage an Siebenbürgen und die Siebenbürger Sachsen. Die über 800-jährige Geschichte der Sachsen sowie ihrer Bräuche und sprachliche Gegebenheiten kommen in dem Roman so wundervoll zum Ausdruck als auch die Auseinandersetzung mit dem Thema der Auswanderung der Aussiedler*innen aus Rumänien. Für alle, die sich damit näher befassen möchten, ist dieser Roman eine ganz klare Einladung dazu. Ich habe den Roman sehr gerne gelesen und spreche eine absolute Empfehlung dafür aus.
Taschenbuchausgabe, Erscheinungstermin 14.02.2026 im Klett-Cotta Verlag, 320 Seiten.
Erstausgabe im Otto Müller Verlag 2012 erschienen.
"Einer der Träume, die länger bleiben, heißt Heimat, auch wenn dieses Wort über die Jahrhunderte mit so unterschiedlichen Bedeutung verwendet wurde, dass es sich fast gänzlich aufgelöst hat. Ich hatte dieses Wort gehütet und mit mir herumgetragen und hatte es verloren geglaubt, als ich dort ankam, wo ich es vermutete." (S. 103)
"Halber Stein“ führt die Lesenden in eine besondere Familiengeschichte aus Siebenbürgen, Rumänien.
Sine, die Protagonistin des Romans, fährt mit ihrem Vater Johann nach Michelsberg, einem kleinen Dorf in der Nähe von Hermannstadt. Der Grund der Reise ist allerdings ein sehr trauriger, denn ihre Großmutter ist verstorben, und so muss die Beerdigung in der alten Heimat organisiert werden. Sine fährt mit sehr konträren Gefühlen nach Rumänien, da sie auf der einen Seite noch schöne Kindheitserinnerungen in sich trägt, auf der anderen Seite aber auch eine große Wehmut in ihr wohnt, da sie das Land seit ihrer Ausreise als kleines Mädchen mit ihren Eltern vor 20 Jahren nicht wieder besucht hat.
In Michelsberg angekommen überkommen Sine viele Kindheitserinnerungen in dem Haus ihrer Großmutter Agneta. Warum hatte sie es innerhalb der letzten 20 Jahre nach ihrem Umzug nach Deutschland nicht mehr geschafft, hierher zu kommen? Wir begleiten sie durch die Erinnerungen ihrer Kindheit im kommunistischen Rumänien der 80er Jahre, auch insbesondere an die dörfliche Gemeinschaft und die innige Beziehung zu ihrer Großmutter in Siebenbürgen. Sie trifft während ihres Besuchs unter anderem auf Julian Eminescu, ihren besten Freund aus Kindertagen. Aber auch andere Dorfbewohnende, die ein enges Verhältnis zu ihrer Großmutter hatten, kommen Sine näher. Sie begibt sich während dieser Tage auf eine Spurensuche, die Suche nach den Wurzeln der Familie, ihrer Sehnsucht sowie ihrer eigenen Identität. Sie erfährt mehr über ihre Großmutter, dieser imposanten Frau, die bereits zu Zeiten des Krieges das Familienunternehmen, eine Färbereit alleine geführt hat, während ihr Großvater im Krieg war und später verändert als gebrochener Mann zurückkam. Sie erkennt, dass ihre Großmutter zu diesen Zeiten bereits eigene Wege gegangen ist und sich auch durch die Enteignung des Kommunismus nicht unterkriegen ließ.
Sine bekommt auch einen neuen Blick auf die eigene Auswanderung nach Deutschland, stellt sich und ihrem Vater die Frage: "Würde man es nach dem Wissen heute und seinen Erfahrungen genauso machen?" Hätte man nicht in der Heimat bleiben sollen? Eine innige Auseinandersetzung mit der Identität der Siebenbürger Sachsen und Siebenbürgen im Allgemeinen.
"Halber Stein" ist das vierte Buch, das ich von der Autorin gelesen habe. Wie bereits in den anderen Werken kommt hier die besondere poetische und bildhafte Sprache zum Ausdruck. Iris Wolff schreibt nicht nur, sie erschafft Landschaften, die ich mir wahrlich bildhaft vorstellen kann, und verknüpftet diese auf wunderbare Weise mit dem inneren Gefühlserleben ihrer Protagonistin.
Das Werk ist für mich eine Hommage an Siebenbürgen und die Siebenbürger Sachsen. Die über 800-jährige Geschichte der Sachsen sowie ihrer Bräuche und sprachliche Gegebenheiten kommen in dem Roman so wundervoll zum Ausdruck als auch die Auseinandersetzung mit dem Thema der Auswanderung der Aussiedler*innen aus Rumänien. Für alle, die sich damit näher befassen möchten, ist dieser Roman eine ganz klare Einladung dazu. Ich habe den Roman sehr gerne gelesen und spreche eine absolute Empfehlung dafür aus.