Zum Wegträumen

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elke seifried Avatar

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Lesen ist meine große Leidenschaft, es vergeht kein Tag ohne, und ich liebe Bücher über alles. Eine eigene Buchhandlung ist auch so ein geheimer Traum von mir und deshalb hat mich die Beschreibung sofort angesprochen und die Autorin hat mich mit ihrem herzerwärmenden Wohlfühlroman nicht enttäuscht.

Für die 29-jährige Nina Richmond gibt es neben dem Lesen und ihrem Beruf als Bibliothekarin, was sie beides liebt, so gut wie nichts anderes im Leben. Eine Welt scheint einzustürzen, als die Bibliotheken in Birmingham einem großen Medienzentrum weichen sollen. Bücher fliegen kistenweise in den Müll, so viel kann Nina gar nicht retten, zudem ist sie wohl über kurz oder lang arbeitslos, denn eine Aussicht auf eine, der zwei Stellen für die vierundsechzig Bewerber zu denen sie zählt, besteht nicht wirklich. Ein lang gehegter Traum geistert durch ihren Kopf, als sie sich dann noch in das Bild eines blauen Verkaufswagens im Retrostyle, der in Schottland angeboten wird, verliebt, ist die Idee geboren. „Wenn ich den Warenbestand schon habe… dazu noch einen Lieferwagen.. Ich meine, warum sollte ich damit denn nicht durch die Gegend fahren und die Bücher verkaufen?“ Eine mobile Buchhandlung, das wäre ein Traum, den sie sich mit der Abfindung leisten könnte. Schon wenig später sitzt sie im Fernbus in Richtung Kirrinfief, den Lieferwagen nur mal anschauen.

Als Leser lernt man Nina und ihre Büchersucht kennen, darf sich dann mit ihr in den Verkaufsbus und die Idee von der rollenden Buchhandlung verlieben. Muss dann noch einmal gehörig überlegen und später auch zittern, ob daraus wirklich etwas wird und darf anschließend mit ihr von Birmingham in die Highlands von Schottland ziehen. Dort gilt es mit ihr das Projekt Happy Ever After zum Laufen zu bringen, sich in der schönen Gegend einzuleben, um dann schließlich wieder vor großen Entscheidungen stehen zu müssen. Während sie ihre Kunden mit Buchtipps glücklich machen zu können scheint, fällt ihr das eigene Liebesglück leider nicht in den Schoß. Obwohl Marek, der attraktive Zugführer, mit dem sie eine Traumwelt teilen kann, und auch der wortkarge Lennox, der Farmer, bei dem sie in der umgebauten Scheune zur Miete wohnen kann, Sehnsüchte wecken, scheint nicht viel mehr dahinter zu sein, oder doch?

Es geht schon mit witzigen Vorbemerkungen los, die erkennen lassen, wie sehr die Autorin Lesen liebt. Und das wird auch im Roman mehr als deutlich, was mir, die ich diese Leidenschaft teile, natürlich ausgesprochen gut gefallen hat. Viele ihrer Buchempfehlungen, ihrer Zitate aus Büchern hatten für mich Wiedererkennungswert und ich habe liebend gerne mit ihr Schätze ausgegraben, wenn es wieder hieß „Ich habe unbesehen hundert Kartons mit Material von einer Büchereischließung erstanden.“ Sehr gerührt haben mich, da ich mir ein Leben ohne Bücher so gar nicht vorstellen kann, die sechzehnjährige Ainslee und ihr kleiner Bruder Ben, bei denen gilt: >>Bei mir zu Hause gibt es keine Bücher.<>Gar keine?<< >>Nö für so etwas hätte meine Mutter gar kein Geld<< Aber da will ich gar nicht zu viel verraten.

Sehr gut hat mir auch der Ausflug in die Highlands von Schottland gefallen. Liebend gerne wäre ich nicht nur per prima Kopfkino mit dort gewesen. Weite Landschaften und Wiesen, Schafe auf den Weiden, Berge und Nordlichter, da würde es mir auch gefallen. Mal ganz abgesehen von den vielen regionalen Köstlichkeiten beim Käse frisch vom Hof angefangen, über die frischen Frühstückseier bis hin zum leckeren Schinken, wurde mir der Mund oft mal wässrig gemacht. Auch die Gastfreundschaft, der Zusammenhalt der Bewohner und die Gemächlichkeit haben eine richtige Wohlfühlatmosphäre verstrahlt.

Der flüssige, anschauliche Sprachstil der Autorin liest sich locker, leicht. Rauf aufs Sofa, gemütlich machen und wegträumen, das ist das ideale Buch dazu. „Aber beim Lesen ist man mit dabei. So als wäre man echt da. Du loggst dich direkt ins Gehirn des Schriftstellers ein. Dann gibt es nur noch ihn und dich, du erlebst das, was er erlebt hat.“ Jenny Colgan ermöglicht ihren Lesern ein Einloggen in die Geschichte hier auf jeden Fall. Sie hat mich oft gerührt und froh war ich, dass die Liebesgeschichten weder zu vorhersehbar, noch kitschig sind und auch Erotisches so in Andeutungen bleibt, wie mir das genügt. Immer wieder durfte ich auch schmunzeln. Da kann es schon mal sein, dass ein Lennox sie entsetzt anstarrt, wenn Nina entzückt ist, als sie am Hof zum ersten Mal vom süßen Hündchen begrüßt wird, >>Das ist kein Hündchen, sondern ein Hund, ein hart arbeitender Hofhund<
In Happy ever after tummeln sich jede Menge liebenswerte Charaktere, die alle ihr Päckchen zu tragen haben. Nina, mit der ich nicht nur die Leidenschaft fürs Lesen teile, sondern auch ihre natürliche Art war mir von Anfang an super sympathisch. Mit einer solchen konnte auch Lennox bei mir punkten, wenn er auch auf den ersten Blick ungehobelt erscheinen mag. Am meisten schmunzeln konnte ich über den Dorfwirt Alasdair und seine zwei Stammgäste Edwin und Hugh und auch über Surinder, ihre Freundin aus Birmingham, der es am Land doch besser gefällt als gedacht. Ein richtig tolles Mädel ist auch Ainslee. Mit meinem schlechten Namensgedächtnis war ich zudem sehr dankbar darüber, dass gilt „Ich habe aber vorsorglich allen Figuren in meinem Roman ganz unterschiedliche Namen gegeben. Es gibt nichts Schlimmeres, als spätabends irgendetwas über eine Cathy und eine Katie zu lesen, und man muss den

„Und so läuft es bei einigen Menschen ja wirklich. Manche taumeln durchs Leben, ohne je wirklich Entscheidungen zu treffen,“ Sicher kann man aus dem Roman ein wenig den Aufruf mitnehmen, dass man sich ruhig auch einmal etwas trauen und auch nicht gleich bei den ersten Schwierigkeiten aufgeben soll. Hauptsächlich ist es in meinen Augen aber ein Buch zum Wegträumen. Genau das habe ich mir erhofft und dafür bekommt es volle Punktzahl.