Ein Moment, der alles verändert
Familie Blum -das sind Vater Gus, Mutter Claire sowie die beiden Kinder Hazel und Wolf- zieht von New York nach Riverburg in Maine. Gus hat dort eine Professur bekommen. Hazel befindet sich in ihrem letzten Jahr vor dem College.
Die Familie hofft auf ein ruhiges und schönes Leben am neuen Wohnort, doch daraus soll nichts werden: Direkt am ersten Schultag lässt der Direktor Hazel in sein Büro rufen. Sie kann sich das nicht erklären, da sie sich nichts hat zu Schulden kommen lassen - und ist noch viel fassungsloser, als sie dann im Büro ist und der Direktor ihr sagt, warum er sie zu sich rufen ließ: Jedes Schuljahr sucht er sich eine Schülerin aus, mit der er Sex haben will - und dieses Jahr hat er sich Hazel ausgesucht. Für den Fall, dass sie sich weigert, droht er ihr Konsequenzen für ihre Zukunft an.
Bisher hat noch keine Schülerin Nein gesagt, alle haben aus Angst um ihre Zukunft mitgemacht und es über sich ergehen lassen - doch Hazel ist anders. Hazel will es nicht. Hazel tut es nicht. Hazel sagt sofort Nein. Und vertraut sich ihren Eltern an. Und natürlich ist fortan nichts mehr so, wie es mal war für Hazel, für ihre Familie, an ihrer Schule und in Riverburg ...
******
Der Klappentext klang interessant und gut, die Leseprobe gefiel mir; und so wollte ich diesen Roman unbedingt lesen. Die Erwartungen waren hoch.
Positiv ist Jessica Berger Gross´ Schreib- und Erzählstil. Er hat mir gut gefallen, die Geschichte lässt sich sehr angenehm und flüssig lesen, und Angela Koonen hat das Ganze (wie übrigens bspw. auch schon Colleen Cambridge´s Phyllida-Bright-Krimireihe) sehr gut übersetzt.
Absoluter Mittelpunkt der Geschichte ist natürlich Hazel, doch auch die übrigen Familienmitglieder stehen im Mittelpunkt. Am liebsten mochte ich ihren kleinen Bruder Wolf; er ist wirklich wundervoll.
Die Geschichte fing stark an, ließ dann aber leider auch stark nach. Und damit sind wir leider auch bei einer Reihe von Kritikpunkten.
Die Geschichte wirkte auf mich immer wieder sehr konstruiert und unglaubwürdig. So kann ich mir bspw. beim besten Willen nicht vorstellen, dass der Direktor sich vor Hazel schon mehrere Opfer gesucht und gefunden haben soll, dass alle das mitgemacht haben sollen, dass kein Mädchen etwas gesagt und sich gewehrt haben soll, dass es nicht mal ernsthafte Gerüchte gegeben haben soll, dass es noch keine Konsequenzen für ihn gegeben haben soll.
Claire und Gus haben mich als Figuren an sich und auch als Eltern nicht überzeugt (Stichwort Gras, um eine Sache von vielen zu nennen). Sie bleiben auch sehr blass und distanziert - ganz im Gegensatz zu Wolf, den man sofort ins Herz schließt.
Der Roman entwickelte sich ganz anders als gedacht und erwartet. Die Sache, um die es eigentlich gehen sollte, stand für mich irgendwann nicht mehr genug im Mittelpunkt. So lag der Fokus bspw. viel zu wenig auf dem Direktor und seinem Leben, nachdem sein Verhalten öffentlich wurde, und den anderen Opfern. Darüber liest man fast nichts. Die Autorin schien irgendwie den roten Faden verloren zu haben. Plötzlich ging es um ein Buch, Interviews, sogar ein VOGUE-Fotoshooting ... es wurde alles zu märchenhaft, rosarot, happy. Nicht nur für Hazel, sondern auch für die übrigen Familienmitglieder lief in der Folge einfach alles viel zu glatt. Das wirkte sehr konstruiert, unglaubwürdig - und es passte für mich einfach hinten und vorne nicht zum Rest, zum Thema, zum eigentlichen und vermeintlichen Schwerpunkt der Geschichte. So viele Probleme, so ein schweres, ernstes Thema - und plötzlich führen alle ein Traumleben?
Es scheint, als wollte die Autorin allzu viele Themen in diesen Roman packen. Dadurch konnten nicht alle in der nötigen und wünschenswerten Tiefe behandelt werden, werden oft nur oberflächlichlich angekratzt und verlaufen dann im Sande - was für den Leser unbefriedigend ist. Weniger wäre hier also mehr gewesen.
Auch das Verhalten der Frau des Direktors war für mich schwer nachvollziehbar und unglaubwürdig. Ebenso die Sache mit Hazel und Noah - irgendwie konstruiert, wenig nachvollziehbar, wenig glaubwürdig.
Die Geschichte entwickelte sich wie gesagt ganz anders als erwartet, und das leider im negativen Sinne.
Gut fand ich hingegen bspw. die Tatsache, dass Hazel zu Erkenntnissen kommt, dass sie lernt, wächst, reift, erwachsener wird - wenngleich ich noch nicht weiß, inwieweit das zu der Hazel zu Beginn passt, inwieweit das glaubwürdig oder auch unglaubwürdig ist. Und obwohl das den allzu rosaroten Eindruck etwas ausgleicht, bleibt es doch am Ende ein allzu konstruiertes happy end, ist alles zu schnell zu einfach, zu schön, geraten das eigentliche Thema und die eigentlichen Probleme viel zu sehr in den Hintergrund.
Schließlich haben mir auch die Botschaften, die dieses Buch vermittelt, sehr gut gefallen.
Insgesamt konnte mich Jessica Berger Gross´ Debüt leider nicht ganz überzeugen - dennoch ist es eine Autorin, auf deren weitere Romane ich gespannt bin.
Die Familie hofft auf ein ruhiges und schönes Leben am neuen Wohnort, doch daraus soll nichts werden: Direkt am ersten Schultag lässt der Direktor Hazel in sein Büro rufen. Sie kann sich das nicht erklären, da sie sich nichts hat zu Schulden kommen lassen - und ist noch viel fassungsloser, als sie dann im Büro ist und der Direktor ihr sagt, warum er sie zu sich rufen ließ: Jedes Schuljahr sucht er sich eine Schülerin aus, mit der er Sex haben will - und dieses Jahr hat er sich Hazel ausgesucht. Für den Fall, dass sie sich weigert, droht er ihr Konsequenzen für ihre Zukunft an.
Bisher hat noch keine Schülerin Nein gesagt, alle haben aus Angst um ihre Zukunft mitgemacht und es über sich ergehen lassen - doch Hazel ist anders. Hazel will es nicht. Hazel tut es nicht. Hazel sagt sofort Nein. Und vertraut sich ihren Eltern an. Und natürlich ist fortan nichts mehr so, wie es mal war für Hazel, für ihre Familie, an ihrer Schule und in Riverburg ...
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Der Klappentext klang interessant und gut, die Leseprobe gefiel mir; und so wollte ich diesen Roman unbedingt lesen. Die Erwartungen waren hoch.
Positiv ist Jessica Berger Gross´ Schreib- und Erzählstil. Er hat mir gut gefallen, die Geschichte lässt sich sehr angenehm und flüssig lesen, und Angela Koonen hat das Ganze (wie übrigens bspw. auch schon Colleen Cambridge´s Phyllida-Bright-Krimireihe) sehr gut übersetzt.
Absoluter Mittelpunkt der Geschichte ist natürlich Hazel, doch auch die übrigen Familienmitglieder stehen im Mittelpunkt. Am liebsten mochte ich ihren kleinen Bruder Wolf; er ist wirklich wundervoll.
Die Geschichte fing stark an, ließ dann aber leider auch stark nach. Und damit sind wir leider auch bei einer Reihe von Kritikpunkten.
Die Geschichte wirkte auf mich immer wieder sehr konstruiert und unglaubwürdig. So kann ich mir bspw. beim besten Willen nicht vorstellen, dass der Direktor sich vor Hazel schon mehrere Opfer gesucht und gefunden haben soll, dass alle das mitgemacht haben sollen, dass kein Mädchen etwas gesagt und sich gewehrt haben soll, dass es nicht mal ernsthafte Gerüchte gegeben haben soll, dass es noch keine Konsequenzen für ihn gegeben haben soll.
Claire und Gus haben mich als Figuren an sich und auch als Eltern nicht überzeugt (Stichwort Gras, um eine Sache von vielen zu nennen). Sie bleiben auch sehr blass und distanziert - ganz im Gegensatz zu Wolf, den man sofort ins Herz schließt.
Der Roman entwickelte sich ganz anders als gedacht und erwartet. Die Sache, um die es eigentlich gehen sollte, stand für mich irgendwann nicht mehr genug im Mittelpunkt. So lag der Fokus bspw. viel zu wenig auf dem Direktor und seinem Leben, nachdem sein Verhalten öffentlich wurde, und den anderen Opfern. Darüber liest man fast nichts. Die Autorin schien irgendwie den roten Faden verloren zu haben. Plötzlich ging es um ein Buch, Interviews, sogar ein VOGUE-Fotoshooting ... es wurde alles zu märchenhaft, rosarot, happy. Nicht nur für Hazel, sondern auch für die übrigen Familienmitglieder lief in der Folge einfach alles viel zu glatt. Das wirkte sehr konstruiert, unglaubwürdig - und es passte für mich einfach hinten und vorne nicht zum Rest, zum Thema, zum eigentlichen und vermeintlichen Schwerpunkt der Geschichte. So viele Probleme, so ein schweres, ernstes Thema - und plötzlich führen alle ein Traumleben?
Es scheint, als wollte die Autorin allzu viele Themen in diesen Roman packen. Dadurch konnten nicht alle in der nötigen und wünschenswerten Tiefe behandelt werden, werden oft nur oberflächlichlich angekratzt und verlaufen dann im Sande - was für den Leser unbefriedigend ist. Weniger wäre hier also mehr gewesen.
Auch das Verhalten der Frau des Direktors war für mich schwer nachvollziehbar und unglaubwürdig. Ebenso die Sache mit Hazel und Noah - irgendwie konstruiert, wenig nachvollziehbar, wenig glaubwürdig.
Die Geschichte entwickelte sich wie gesagt ganz anders als erwartet, und das leider im negativen Sinne.
Gut fand ich hingegen bspw. die Tatsache, dass Hazel zu Erkenntnissen kommt, dass sie lernt, wächst, reift, erwachsener wird - wenngleich ich noch nicht weiß, inwieweit das zu der Hazel zu Beginn passt, inwieweit das glaubwürdig oder auch unglaubwürdig ist. Und obwohl das den allzu rosaroten Eindruck etwas ausgleicht, bleibt es doch am Ende ein allzu konstruiertes happy end, ist alles zu schnell zu einfach, zu schön, geraten das eigentliche Thema und die eigentlichen Probleme viel zu sehr in den Hintergrund.
Schließlich haben mir auch die Botschaften, die dieses Buch vermittelt, sehr gut gefallen.
Insgesamt konnte mich Jessica Berger Gross´ Debüt leider nicht ganz überzeugen - dennoch ist es eine Autorin, auf deren weitere Romane ich gespannt bin.