Der kontemplative Rhythmus des Webens

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Mit »Heimkehr nach Morioka« legt Yuki Ibuki einen Roman vor, der ganz auf die leisen, unspektakulären Töne setzt. Es ist eine Geschichte des Rückzugs, des Innehaltens und der allmählichen Selbstfindung – eingebettet in eine Landschaft, die mit ihren weiten Himmeln, grünen Weiden und der ruhigen Tätigkeit des Webens fast schon therapeutisch wirkt.
Im Zentrum steht die siebzehnjährige Mio, die aus dem hektischen Tokio zu ihrem Großvater aufs Land flieht. Was zunächst wie eine klassische Ausbruchsgeschichte anmutet, entfaltet sich schnell als eine sehr ruhige, beinahe kontemplative Erzählung. Viel geschieht hier nicht im äußeren Sinne – und doch verändert sich innerlich eine ganze Welt.
Besonders viel Wert legt die Autorin auf die Darstellung eines traditionellen Handwerks, das in diesem Roman eine wesentliche Rolle spielt und mit viel Detailfreude beschrieben wird: das Spinnen, Färben und Weben von wertvollen Stoffen.
Überhaupt liest sich der Roman bemerkenswert leicht. Die Sprache ist schlicht, zugänglich, manchmal kaum mehr als ein Satz pro Zeile. So gleitet man mühelos durch die Seiten, ohne Widerstand, ohne Anstrengung; es ist ein Buch zum Träumen, zum Schwelgen, zum stillen Dahindämmern. Gerade darin liegt seine Stärke, aber auch seine Grenze: Wer nach sprachlicher Raffinesse oder struktureller Komplexität sucht, wird hier kaum fündig. Durch die literarische Brille betrachtet ist dieser Roman eher unbefriedigend. Interessant ist dabei, dass durchaus ernste Themen berührt werden: eine zerrüttete Familienkonstellation, eine Tochter, die unter dem Druck der Schule leidet, gemobbt wird und sich zunehmend zurückzieht, Eltern, die sich entfremden. Und doch bleibt der Grundton erstaunlich mild. Trotz aller Konflikte würde ich das Buch letztlich der«„Heile-Welt-Literatur« zurechnen. Die Brüche werden behutsam geglättet, die Generationen finden wieder zueinander, und am Ende stellt sich – wenig überraschend, aber durchaus tröstlich – ein versöhnliches Gleichgewicht ein.
So ist »Heimkehr nach Morioka« kein Roman, der durch große literarische Wirkung und Kühnheit besticht, sondern einer, der durch seine Wärme, seine Ruhe und seine Zugänglichkeit überzeugt – ein echter Schmöker für Mußestunden. Wer sich darauf einlässt, wird darin eine anregende Lektüre finden – vielleicht nicht tief erschütternd, aber angenehm nachklingend. Für die passende Lesestimmung und die richtige Zielgruppe ist das durchaus empfehlenswert.