Die schwierigen Wege der Liebe

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cazymonkey Avatar

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Vorneweg das Lesen war bei diesem Roman nicht nur ein Genuss. Er mag zunächst mit seinem brillant, klugen Schreibstil und den vielen literarisch hochwertigen Anekdoten bestechen, jedoch hinterlässt er genauso ein aufwühlend, schwermütig, nachdenklich und vielleicht sogar leicht depressives Gefühl.

Der erste Teil des Romans widmet sich den Dramen des Erwachsen werden und den ersten richtig, tiefen Gefühlen in Beziehungen, Diskussionen um Ideale und die gesellschaftliche Weltanschauung. Trotzdem ist die Handlung sehr Charakterbezogen und es geht vielmehr um die einzelne Person- hier die namenlose, weibliche Hauptprotagonistin, die in ihrem Liebeschaos Hoffnung sieht, und sich lange weigert nur Tragödien im Leben zu sehen. Dennoch kommt irgendwann das Eingeständnis, dass sie sich verletzt, abgelehnt und übergangen fühlt von den Männern der Universitätsjahre.

Die Autorin Lily König gibt ihren Figuren auf eine sehr interessante Weise Bedeutung und Perspektive, nämlich genauso wie es ihre Protagonistin für ihre Werke sucht, mit Abstand und Zeit, der durch unterschiedliche Lebensorte entsteht und mit den Jahren, die zwischen den Geschehnissen liegen.

"...in der Literatur offenbart die Liebe sich meistens als Schwäche [...]. Die Menschen kommen ihr in die Quere. Die Menschen sind schwach und gefährlich, nicht die Liebe."
"[...] Aber wo wären wir ohne die Liebe? Ich glaube, eine andere Hoffnung haben wir nicht. Wenn wir überleben wollen, will ich damit sagen. Was bringen uns alle Tugenden, wenn wir keine Liebe haben?"

Im Gegenzug zu den oft optimistischen sowie jugendhaften Anschauungen, bekommen die LeserInnen im 2.Teil, nach einem scheinbar friedvollem Blick auf das bisher verlaufene Leben der Protagonisten, viel Schmerz, aufwühlende Melancholie,Trauer, Reue und Wut durch die weiteren Ereignisse um die Namenlose zu spüren.
Mir gaben die letzten Kapitel einen großen Denkanstoß und versetzte mich in eine innere Diskussion um das Leben, seine Entscheidungen, an das Kommen, Gehen, Finden, Verlieren und Loslassen.

Als kleine Anmerkung, sollte man davor das Buch "Writers and Lovers" gelesen haben (ich leider nicht), dürfte das Ende wohl noch intensiver und emotionaler einschlagen und einen großen Aha-Moment bringen!

"Ein großer Roman, ein wahrhaft großer, fängt nicht nur eine bestimmte fiktive Erfahrung ein, sondern verändert und intensiviert das eigene Leben."

Fazit: Abschließend beschreibt dieses Zitat gut, dass definitiv viele Gedanken nachhallen, aber ich bleibe in einer sehr zerrissenen und wohl eher negativen Stimmung zurück.