Kartenspiel

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bookworld91 Avatar

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Lehrjahre sind keine Herrenjahre.“ Dieser uralte Spruch unbekannten Ursprungs spielt auf Verzicht und Geldnot während Studium und Ausbildung an. So ergeht es auch der Protagonistin in „Herzkönig“.

Sie trifft im Studium auf die beiden Freunde Sam und Yash. Die beiden eröffnen ihr eine neue Welt- voll mit Literatur, Debatten und Kartenspielen. Während sie um ein Stipendium bangt und sich einen Raum mit anderen teilt, passen die beiden mit Freunden auf das Haus eines Professors auf. Hier kann sie heiß duschen und lernt das Spiel Herzkönig, was sie Jahrzehntelang begleiten wird…

Die Story der namenlosen Protagonistin ist interessant, wenngleich zu Beginn nicht komplett neu. Was mich gerade am Anfang fasziniert hat ist ihr reflektiertes Verhalten im Bezug auf lernen. Sie erkennt, dass Sam und Yash sich mit anderen Werken befassen als sie und das sie etwas ändern muss.

Das beschreibt Lily King beispielhaft und detailreich, so das ich den Eindruck habe, ihr beim Arbeiten oder lernen über die Schulter zu blicken. Die Zeit in Frankreich und das spätere Leben der Protagonistin bauen auf der kritischen Beziehung auf. Sie kann Yash nicht haben, denkt aber ständig an ihn und die gemeinsame Zeit. Hier hätte ich mir allerdings mehr Tiefe gewünscht, konnte ich sie doch lange Zeit nicht einordnen.

Diese Tiefe erwartete mich am Ende. Zwischen innerer Zerrissenheit, Melancholie und Verzweiflung erkenne ich die wahren Gefühle der Protagonistin, die tiefer gehen, als es scheint. Auch der Bezug zum Kartenspiel wird wieder hergestellt.

Insgesamt ist es ein Roman, der die horrenden Studienkosten ebenso kritisiert wie mangelnde Empathie (teils wirken die Charaktere sehr kühl), aber auch die Bedeutungen von Lernen außerhalb des Studiums und das Auseinandernehmen von Literatur und Philosophie hervorhebt. Der Roman möchte sehr viel vermitteln, tritt aber teils, trotz ansprechender Sprache, auf der Stelle. Auch mit der Protagonistin wurde ich erst gegen Ende warm. Ich gebe vier von fünf Sternen.