Schöne Atmosphäre, aber ein Hauch zu viel gewollter Tiefsinn

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davina Avatar

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Lily King beweist auch in „Heart the lover“ ihr unbestreitbares Talent für flüssige, atmosphärische Prosa und feinfühlige Charakterstudien. Es ist ein Buch, das man gerne liest, weil Kings Schreibstil eine einnehmende Wärme besitzt und die emotionalen Zwischentöne der Figuren oft getroffen wurden. Für die greifbare Grundstimmung verdient der Roman definitiv großes Lob.
Dass der Funke schlussendlich nicht komplett übergesprungen ist, liegt an der versuchten intellektuellen und emotionalen Tragweite, die sich für mich nicht ganz organisch angefühlt hat. Das Einstreuen von Debatten über Proust oder Joyce verleiht der Geschichte zwar einen akademischen, fast nostalgischen Charme aber das reicht eben noch nicht aus, um einer Erzählung echte, eigene Tiefgründigkeit zu verleihen. Es wirkte für mich teilweise sehr aufgesetzt.
Auch das Ende kam für mich etwas zu konstruiert daher. Ein solcher Schlusspunkt erzeugt zwar verlässliche Emotionen, kann aber fehlende narrative Substanz oder eine nicht vorhandene Charakterentwicklung im Mittelteil nicht rückwirkend wettmachen. Drama allein ist nicht gleichbedeutend mit Tiefgang.

Fazit:
Ein gut geschriebenes, phasenweise sehr berührendes Buch. Lesenswert, aber nicht ganz der tiefgründige Wurf, der es sein möchte.