Eine grenzenlose Freundschaft
Honey und Blondie lernen sich im Kindergarten über ihren Körpertausch kennen. In einer Situation, die für Honey kaum auszuhalten ist, steckt sie plötzlich im Körper von Blondie, und Blondie holt sie raus, indem sie tauscht. Honey ist sehr ruhig, introvertiert, sagt oft nichts. Genau dadurch werden die beiden so eng, und aus dieser Szene wächst eine Freundschaft, die fast symbiotisch ist.
Der Roman spielt im Berlin-Kreuzberg der 90er und begleitet die beiden von der Kita bis in ihre 30er. Honey hat koreanische Wurzeln und einen Namen, den kaum jemand aussprechen kann – „Honey" ist der Spitzname, den Blondie ihr gibt. Blondie ist, wie ihr Spitzname schon sagt, blond, mutig und wächst allein mit ihrer Mutter auf, die ziemlich mit sich selbst beschäftigt ist. Beide sind Außenseiterinnen, und beide finden in der Familie der jeweils anderen etwas, was ihnen zu Hause fehlt. Die Gabe, bei Aufregung oder Angst die Körper zu tauschen, zieht sich durch alle Lebensphasen: bei Prüfungen, bei Lampenfieber, in der Familie.
Rassismus, Sexismus und Klassismus kommen eindeutig vor, aber unaufgeregt und beiläufig. Sie sind da, man spürt sie, werden aber nicht groß ausgesprochen oder eingeordnet. Das wirkt für die Zeit authentisch.
Erzählt wird abwechselnd aus der Ich-Perspektive der beiden. Im Prolog erfährt man schon, dass eine schwer krank ist und die andere schwanger. Beim Lesen rückte das für mich in den Hintergrund – umso mehr hat mich das Ende getroffen. Es ist traurig und berührend, ohne rührselig zu sein. Ich hätte mir trotzdem ein anderes gewünscht.
Den Körpertausch lese ich weniger als Fantasy denn als Bild für Verbundenheit: Jede hat ihre Stärken und Schwächen, jede bewundert die andere ein bisschen, und im Körper der anderen fühlt man sich manchmal wohler – man schlüpft in eine Rolle und weiß ja trotzdem, dass man es nicht selbst ist. Die Rituale zwischen den beiden mochte ich sehr, die Insider, die Fragen wie „Welche Farbe hat dein Leben gerade?".
Mein größter Kritikpunkt: Der Teenie- und Twenties-Slang der 2000er klang für mich eher nach heute als nach damals – zu viele Anglizismen, ein bisschen überspitzt. An der Stelle bin ich eine Zeit lang aus dem Buch ausgestiegen, später mit den älteren Figuren ging es wieder besser. Dazu kommt, dass mich die ähnlichen Namen und die wechselnden Perspektiven manchmal durcheinandergebracht haben, vor allem, wenn gerade jemand im Körper der anderen steckte. Manche Szenen im getauschten Körper haben mich irritiert, und ich konnte ihre Bedeutung für mich nicht ganz klar erkennen. Wenn ich sie weitergedacht habe – dass jemand anderes etwas mit meinem Körper macht, ohne dass ich dabei bin und es mitbekomme –, wurde es für mich grenzwertig. Auch wenn die beiden sich blind vertrauen und vorher absprechen.
Empfehlen würde ich das Buch allen, die eine enge Freundin haben. Ich selbst hatte nie so eine Freundschaft und habe sie auch nicht vermisst – so viel Nähe wäre mir zu eng, ich brauche Luft zum Atmen. Trotzdem habe ich das Buch gern gelesen, auch wenn mich der Slang zwischendurch rausgeholt hat.
Der Roman spielt im Berlin-Kreuzberg der 90er und begleitet die beiden von der Kita bis in ihre 30er. Honey hat koreanische Wurzeln und einen Namen, den kaum jemand aussprechen kann – „Honey" ist der Spitzname, den Blondie ihr gibt. Blondie ist, wie ihr Spitzname schon sagt, blond, mutig und wächst allein mit ihrer Mutter auf, die ziemlich mit sich selbst beschäftigt ist. Beide sind Außenseiterinnen, und beide finden in der Familie der jeweils anderen etwas, was ihnen zu Hause fehlt. Die Gabe, bei Aufregung oder Angst die Körper zu tauschen, zieht sich durch alle Lebensphasen: bei Prüfungen, bei Lampenfieber, in der Familie.
Rassismus, Sexismus und Klassismus kommen eindeutig vor, aber unaufgeregt und beiläufig. Sie sind da, man spürt sie, werden aber nicht groß ausgesprochen oder eingeordnet. Das wirkt für die Zeit authentisch.
Erzählt wird abwechselnd aus der Ich-Perspektive der beiden. Im Prolog erfährt man schon, dass eine schwer krank ist und die andere schwanger. Beim Lesen rückte das für mich in den Hintergrund – umso mehr hat mich das Ende getroffen. Es ist traurig und berührend, ohne rührselig zu sein. Ich hätte mir trotzdem ein anderes gewünscht.
Den Körpertausch lese ich weniger als Fantasy denn als Bild für Verbundenheit: Jede hat ihre Stärken und Schwächen, jede bewundert die andere ein bisschen, und im Körper der anderen fühlt man sich manchmal wohler – man schlüpft in eine Rolle und weiß ja trotzdem, dass man es nicht selbst ist. Die Rituale zwischen den beiden mochte ich sehr, die Insider, die Fragen wie „Welche Farbe hat dein Leben gerade?".
Mein größter Kritikpunkt: Der Teenie- und Twenties-Slang der 2000er klang für mich eher nach heute als nach damals – zu viele Anglizismen, ein bisschen überspitzt. An der Stelle bin ich eine Zeit lang aus dem Buch ausgestiegen, später mit den älteren Figuren ging es wieder besser. Dazu kommt, dass mich die ähnlichen Namen und die wechselnden Perspektiven manchmal durcheinandergebracht haben, vor allem, wenn gerade jemand im Körper der anderen steckte. Manche Szenen im getauschten Körper haben mich irritiert, und ich konnte ihre Bedeutung für mich nicht ganz klar erkennen. Wenn ich sie weitergedacht habe – dass jemand anderes etwas mit meinem Körper macht, ohne dass ich dabei bin und es mitbekomme –, wurde es für mich grenzwertig. Auch wenn die beiden sich blind vertrauen und vorher absprechen.
Empfehlen würde ich das Buch allen, die eine enge Freundin haben. Ich selbst hatte nie so eine Freundschaft und habe sie auch nicht vermisst – so viel Nähe wäre mir zu eng, ich brauche Luft zum Atmen. Trotzdem habe ich das Buch gern gelesen, auch wenn mich der Slang zwischendurch rausgeholt hat.