Wunderschön, schmerzhaft und urkomisch zugleich

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nessabo Avatar

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Was habe ich Honey und Blondie geliebt! Der Roman wurde entsprechend verschlungen, was nicht nur an den beiden liebenswerten und interessanten Protagonistinnen liegt, sondern auch an der tollen Schreibweise der Autorin.

Ubin Eoh ist in ihrer Sprache nämlich unglaublich nahbar und echt. Das hätte besser gar nicht passen können zu den beiden Hauptfiguren, die wir über eine lange Zeit vom Kindergarten bis in ihre Dreißiger begleiten dürfen. Die Berliner Schnauze Bianca, aka Blondie, mit instabilem Elternhaus trifft als junges Mädchen auf Hyunjeong, aka Honey, die mit ihrer Schüchternheit und vor allem rassistischen Mikroaggressionen zu kämpfen hat.

Das Element magischen Realismus - der Körpertausch in emotional intensiven Momenten - hilft beiden auf so vielen Ebenen. Zuvorderst finden die beiden Figuren einander und damit eine der wunderbarsten Freundinnenschaften der Gegenwartsliteratur. Die gegenseitige Liebe ist bedingungslos, die Kommunikation ehrlich und respektvoll. Ich bin das gar nicht gewöhnt, weil Drama so oft künstlich kreiert wird. Zum Glück verzichtet diese Geschichte darauf, wenngleich es nach hinten raus dann auch einen Ticken repetitiv wird. Das nehme ich für die Qualität dieser Beziehung aber gerne in Kauf.

Der Körpertausch, aka Schleckmuschel, hilft den beiden Teenagerinnen und später jungen Frauen auch, ihren Körper anders wahrzunehmen und in angespannten Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren. Ich fand das Element perfekt gewählt, weil so auch Dinge wie die Sexualisierung weiblicher Körper und rassistisches Verhalten total greifbar dargestellt werden konnten. Was für die eine traurige Normalität ist, wird für die andere im Körper ihrer Freundin augenöffnend - und damit auch für uns Leser*innen.

Im weiteren Verlauf reifen die Protagonistinnen heran und damit sinken auch die Schleckmuschelmomente, die Beziehung bleibt aber bei allen Lebensänderungen intensiv. Die sehr kurzen Kapitel haben einen tollen Sog entwickelt, sodass ich ständig dachte „Ach komm, eins geht noch“. Kritisieren würde ich, dass ich die Lebensläufe der beiden schon recht plakativ erfolgreich fand, da hätte ein wenig mehr Bescheidenheit gut getan. Allerdings verzichtet Eoh eben auch auf künstliches Drama, sodass das Äußere vielleicht mehr performen muss. Dem Ende, das mir ein paar Tränen abverlangt hat, hätte gern noch mehr Raum gegeben werden können.

Alles in allem aber ein beeindruckendes, liebevolles Debüt und eine ganz klare Empfehlung für alle, die Freundinnenschaft schätzen und darüber einen Roman mit hohem Tempo suchen.

4,5 ⭐️