Zwei wie eine einzige

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emmmbeee Avatar

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Honey, das Kind koreanischer Einwanderer, und Blondie, eine kleine taffe Berlinerin, merken bereits zu ihrer Kindergartenzeit, dass sie gegenseitig ihre Körper wechseln und quasi in die Haut der anderen schlüpfen können. Das zeigt sich erstmals in einer Notsituation und das machen sie im Lauf ihres Lebens öfter, nämlich dann, wenn es notwendig ist, der anderen die eigene Kraft zu leihen.
Während der kommenden Jahre begegnen sie den unterschiedlichsten Menschen, auch viel Rassismus und Gewalt, schlagen verschiedene Berufswege ein, leben oft weit voneinander entfernt, sind sich aber immer nahe. Und dann ist die eine schwer krank, die andere schwanger, und die Frage stellt sich: Kann Honey Blondies Leben retten, wenn sie, vielleicht zum letzten Mal, die Körper tauschen?
Auch wenn der Leser genau weiß, dass es sich um Fiktion handelt und es nicht wahr sein kann, ist man gleich gefesselt. Die Geschichte hat einen starken Sog, es geht rasant voran, die Notsituationen und ebenso die enge gegenseitige Verbindung sind ergreifend, manchmal erschütternd. Man atmet nach dem Überstandenen auf, man lebt mit, liest vergnügt die Namensverdrehungen und Koseworte der beiden und verfolgt den schriftlichen Austausch mit Freude. Gut gefallen mir auch die Charaktere der beiden Mütter, jede besitzt meine Sympathien, wenn auch für unterschiedliche Wesenszüge.
Eine rasant erzählte Geschichte, voller Zeitgeist, Farben und Gerüche, kulinarischer, hauptsächlich koreanischer Eindrücke (wenn ich sie auch extra nachschlagen musste). Die Erzähl-Person wechselt immer wieder, viele spezielle Ausdrücke, die zu kennen ich mit meinen 76 Jahren viel zu alt bin, mischen den Text auf. Ebenso eine große Portion Humor. Angenehm sind die kurzen Kapitel, die wie Appetithäppchen daherkommen und einem ein längeres Lesen leicht machen.
Das Cover zeigt die Hinterköpfe von zwei Frauen, dunkelhaarig und blond, in enger Umarmung. Genauso stelle ich mir die Freundinnen vor. Ein herrliches Buch, das ich weiterempfehlen werde. Von dieser Autorin wünsche ich mir mehr.