Herrlich schräg, chaotisch und sehr Berlin

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„Hope Joanna“ von Horst Evers ist kein klassischer Krimi und genau das macht das Buch irgendwie besonders. Die Geschichte fühlt sich eher an wie eine Mischung aus Krimi, Satire und komplettem Großstadtwahnsinn, mit einer Hauptfigur, die mitten in diesem Chaos versucht, halbwegs klarzukommen.

Hope Joanna Marlow mochte ich direkt. Allein ihr Name bleibt hängen und genauso ist auch die Figur selbst. Eigentlich wollte sie mal zu Olympia, stattdessen arbeitet sie jetzt bei der Berliner Polizei und wird nach einem viralen Handyvideo plötzlich unfreiwillig zur Heldin. Währenddessen gerät sie in eine völlig absurde Geschichte rund um eine Mordserie, rechtsradikale Verschwörungstheorien und einem angeblichen Führerelixier. Klingt komplett drüber und genau das ist es auch, aber auf eine sehr unterhaltsame Art.

Was mir besonders gefallen hat, war der Schreibstil: Locker, direkt und voller trockener Dialoge, bei denen ich wirklich oft lachen musste. Man merkt total, dass Horst Evers aus dem Kabarett kommt. Viele Szenen leben gar nicht unbedingt von Spannung, sondern von Beobachtungen, schrägen Begegnungen und diesem typischen Berliner Chaosgefühl. Beim Lesen hatte ich ständig das Gefühl, die Stimmen der Figuren direkt im Kopf zu hören.

Gleichzeitig steckt hinter dem Humor auch einiges an Gesellschaftskritik. Das Buch spielt immer wieder mit absurden Entwicklungen unserer Zeit, mit Social Media, Verschwörungstheorien und dem allgemeinen Irrsinn, der inzwischen manchmal realistischer wirkt als jede Satire. Der Kriminalfall selbst gerät dabei stellenweise etwas in den Hintergrund. Wer einen klassischen, durchgehend spannenden Ermittlerkrimi erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht sein. Gerade im Mittelteil verliert sich die Geschichte manchmal ein bisschen in ihren eigenen Abschweifungen. Mich hat das aber weniger gestört, weil die Figuren und der Humor für mich klar im Vordergrund standen. Besonders Hope Joanna trägt das Buch für mich komplett. Sie wirkt sympathisch, angenehm unaufgeregt und überhaupt nicht übertrieben heldenhaft, obwohl sie theoretisch genau das sein könnte. Gerade dadurch fühlt sie sich greifbar an.

Das Ende hätte für meinen Geschmack noch stärker sein können, trotzdem hatte ich wirklich viel Spaß beim Lesen. Eine sehr unterhaltsame, schräge und erstaunlich aktuelle Mischung aus Krimi und Gesellschaftssatire mit ganz viel Berliner Charme.