Starke Story mit einer starken Protagonisten, Dunkelheit und Spannung

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franci Avatar

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„House of the Beast“ ist eine düstere Fantasy-Story, deren Gegebenheiten von eigens erschaffenen Mythen, barbarischen Riten und Opfergaben, Machtspielen und Intrigen geprägt sind.



Als Almas Mutter schwer erkrankt, sucht das einsame Mädchen nach Hilfe und gelangt so an ihren bis dato fremden Erzeuger. Dass dieser ein ranghoher Diener des Biestes, kalt und unberechenbar ist, raubt Alma jegliche Hoffnung. Doch Zander bietet seinem Bastard einen Deal an – sie begleitet ihn als Erbin in das Haus Avera, dafür bekommt ihre Mutter alles, was sie braucht. Kurz darauf bindet sich Alma nicht nur an das Dread Beast, sondern verliert ihr Strahlen, ihr Zuhause und den einzigen Menschen, den sie jemals wirklich liebte. Nun bleibt dem verstörten Kind nur noch ihr treuer, in ihrer Fantasie existierender Freund.

Dabei ist Aster weitaus mehr als ein Hirngespinst und lässt sich die Gelegenheit, ihre Wut, ihren Drang, sich zu beweisen, und ihren Rachedurst zu nähren, nicht nehmen.

Von jetzt an hat Alma nur noch ein Ziel: jene Position, die ihr Vater so unbedingt will. Und damit Zander und alle Averas zu demütigen.

Als die Erfüllung ihrer Pläne zum greifen nah scheint, überschlagen sich die Ereignisse, türmen sich die Geheimnisse, deren Kern Alma um jeden Preis nachgehen will. Wahrheiten, die alles infrage stellen, ihre Realität und ihre Pläne aus den Angeln heben, stürzen auf sie ein, brechen ihr Herz …





Zuerst ein großes Lob an die optische Aufmachung und die inhaltliche Gestaltung: In den Klappen finden wir eine wunderschöne farbige Zeichnung, zu Beginn eine Karte der Welt und kleine Illustrationen, die die Handlung begleiten.

Michelle Wong führt uns in einem bildreichen Stil, in einer bedrückenden Tonlage durch ihre einnehmende Geschichte, die in drei Teile gegliedert ist, sodass wir anfangs eine junge, verzweifelte Version der Protagonistin kennenlernen, bis wir, durch einen Zeitsprung, eine erstarkte, von allen gemiedene, nicht gewollte Frau antreffen. Glück ist für Alma ein Fremdwort. Lediglich Aster leistet ihr Gesellschaft, treibt sie an, formt sie. Eine Freundschaft, die bindet, mehr wird.

Da der Fokus auf der agilen Kämpferin liegt, stehen ihre Entwicklung, ihr Erleben, ihr stetig mehr aufklaffender Zwiespalt im Vordergrund. Trotz der Kälte, Almas augenscheinlicher Härte, ist unübersehbar, wie sehr die 18-Jährige unter dem Verlust ihrer Mutter, ihrem isolierten Dasein leidet, wie sehr sie sich nach Anerkennung und Geborgenheit sehnt. Im Verlauf erwachen Grausamkeiten und Monster zum Leben, Dunkelheit, Verrat und Misstrauen füllen jede freie Fläche. Obgleich sich hier und da zu ausführlich an manchen Stellen aufgehalten wurde, fesselt die Storyline mit allerhand Ungereimtheiten, der wabernden Gefahr und den undurchsichtigen Figuren. Gerade Kaim, Zander, Sevelie, Six und Fion sorgen mehrfach für Überraschungen und banden mein Interesse an sich.



Auch das Worldbuilding kommt nicht zu kurz. Vier adlige Familien herrschen über Kugara und dienen – mit Leib und Seele – den Göttern, halten an (fanatischem) Glauben, ihren Hierarchien und ihrer Macht fest, stürzen sich in die Schattenebene und in blutige Wettstreite. Die Einblicke in die hier gelebte Mythologie, in Traditionen und Gepflogenheiten sind ausgeklügelt und spannend. Zusätzliche Raffinesse erhält das System durch die Kombination mit den eher verpönten, weil Unabhängigkeit fördernden, Ideen gen (technischen) Fortschritt und fragwürdigen, schrägen (menschlichen) Experimenten.

Wong verzichtet nicht auf Verlust und tödliche Konfrontationen, nicht auf Tragik und rohe, ungeschönte Emotionen. Wir finden harsche Worte und derbe Szenen, Riten und Opfergaben, Wahnsinn und Lügen. Es war gleichermaßen mitreißend, Alma auf ihrem Weg zu begleiten, wie auch unheimlich und zutiefst bewegend. Das Ende – mit seinen schwarzen, herzzerreißenden Momenten und der Aussicht auf eine ungewisse, aber freie, eine andere Zukunft – war passend gewählt.


»Du bist das Schlimmste, was mir je passiert ist (…) Aber auch das Beste. In einer anderen Welt hätten du und ich vielleicht glücklich sein (…) können.«


Frische Elemente, die von Dunkelheit und Misstrauen, von Rivalitäten und Tragik durchtränkte Atmosphäre, die durchdringende Sehnsucht nach Rache und Vergeltung wie auch die Unsicherheit, wohin, in welche Abgründe, uns Almas Geschichte führt, samt der monsterhaften Gestalten und dieser Liebe, toxisch, bedrohlich, die nicht sein kann – all das und noch mehr machen „House of the Beast“ zu einem Dark-Fantasy-Roman, in den es sich lohnt, einzutauchen.