Wie wir wirklich sind

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Als ich "Ich erzähle von meinen Beinen" von Cornelia Travnicek gelesen habe, hatte ich oft der Gedanke: Ja, genau so fühlt sich das manchmal an. Dieses ständige Funktionieren, das Organisieren, das Denken an alles und alle. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Wally, eine Frau, die versucht, ihren Alltag zu bewältigen. Familie, Kind, Termine, Verantwortung und nach außen läuft alles scheinbar gut. Aber innerlich ist sie erschöpft, unruhig und oft völlig überfordert. Als bei ihrer Tochter ADHS festgestellt wird, beginnt sie plötzlich auch über sich selbst nachzudenken und vieles ergibt auf einmal einen neuen Sinn. Was mir an dem Buch so gefallen hat: Es ist unglaublich ehrlich. Es ist chaotisch, manchmal traurig, manchmal sogar komisch. Genau wie das echte Leben eben. Ich musste an vielen Stellen schmunzeln, weil ich manche Gedanken oder Situationen nur zu gut kannte.
Mir hat der Schreibstil sehr gut gefallen. Die Sprache ist besonders. Teilweise springen die Gedanken schnell hin und her, fast so, als wäre man direkt in Wallys Kopf. Das kann manchmal anstrengend sein, aber genau das macht das Buch so glaubwürdig. Man spürt ihre Müdigkeit, ihre Zweifel und diesen Wunsch, endlich einmal durchatmen zu können. Für mich ist das Buch vor allem eine Geschichte über Frauen, die jahrelang stark sein mussten und irgendwann merken, dass sie selbst dabei auf der Strecke geblieben sind. Aber es ist auch ein Buch darüber, sich selbst besser zu verstehen. "Ich erzähle von meinen Beinen" ist kein leichtes Wohlfühlbuch. Aber eines, das lange nachwirkt.