Zwischen Märchen, Magie und einem etwas holprigen Tempo

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suriamara Avatar

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Ich habe mich riesig auf ,,Im Bann des Erlkönigs" gefreut und insgesamt hat mir der Auftakt der Umbra-Academy-Reihe wirklich gut gefallen. Besonders das wunderschöne Cover und die gesamte Gestaltung haben mich sofort angesprochen. Schon beim Aufschlagen merkt man, wie viel Liebe zum Detail in diesem Buch steckt.

Die Geschichte begleitet Zora, die seit ihrer Kindheit Sagenwesen sehen kann und plötzlich in eine völlig neue Welt voller Andraunen, alter Magie und düsterer Geheimnisse gerät. Dabei baut Mina Roth ein unglaublich spannendes Worldbuilding auf. Besonders die Zitate zu Beginn jedes Kapitels fand ich genial. Mal wirken sie wie alte Märchen, mal wie Auszüge aus Lehrbüchern der Academy oder persönliche Briefe. Dadurch fühlt sich die Welt lebendig an und man entdeckt ständig neue Details. Auch das Glossar am Ende ist ein echtes Highlight und zeigt, wie viel Recherche und Herzblut in dieser Geschichte steckt.

Der Schreibstil hat mir ebenfalls sehr gefallen. Er liest sich flüssig, atmosphärisch und schafft es, gerade die düsteren Szenen unglaublich bildhaft wirken zu lassen. Vor allem gegen Ende konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen.

Mit dem Erzähltempo hatte ich allerdings gemischte Gefühle. Die erste Hälfte nimmt sich viel Zeit für den Weltenaufbau, was ich grundsätzlich gar nicht schlimm fand. Danach hatte ich jedoch das Gefühl, dass plötzlich alles sehr schnell geht. Manche Entwicklungen, besonders in der Handlung, wirkten auf mich ziemlich abrupt. Mehr als einmal dachte ich: "Habe ich versehentlich ein paar Kapitel übersprungen?" Das war zwar nicht der Fall, aber einige Ereignisse hätten für meinen Geschmack etwas mehr Raum zum Atmen vertragen.

Ähnlich ging es mir mit der Liebesgeschichte. Ich konnte die Gefühle zwischen Zora und Kilian leider nicht immer ganz nachvollziehen. Mir fehlte stellenweise der natürliche Aufbau ihrer Beziehung. Tatsächlich hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass Zora mit Figuren wie Viggo, Silas oder sogar Mathea teilweise mehr Chemie und authentischere Dynamik hatte als mit ihrem eigentlichen Love Interest. Das machte die Romanze für mich etwas weniger greifbar, obwohl ich die emotionalen Momente an sich schön fand.

Besonders überzeugen konnten mich dagegen die Nebenfiguren. Viggo hat mich mit seinem Humor und seiner Entwicklung überrascht, Silas ist unglaublich loyal und Mathea wurde im Laufe der Geschichte immer interessanter. Gerade diese Gruppendynamik hat mir richtig gut gefallen.

Trotz meiner Kritik überwiegt für mich eindeutig das Positive. Das Buch punktet mit einer originellen Verbindung aus deutscher Folklore, Dark Academy, spannenden Geheimnissen und einer faszinierenden magischen Welt. Das Finale war wieder unglaublich packend und hat mich mit vielen offenen Fragen zurückgelassen, sodass ich unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht.

Wer düstere Fantasy, komplexes Worldbuilding und märchenhafte Elemente liebt, sollte sich dieses Buch definitiv ansehen. Für mich ist es ein gelungener Reihenauftakt mit kleinen Schwächen im Pacing und bei der Romanze, aber mit so viel Potenzial, dass ich Band 2 auf jeden Fall lesen werde.