Die letzte Reise

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern
mannuberbord Avatar

Von

Ein neuer Roman von Emma Cline ist spätestens seit ihrem abgründigen Sommerroman "Die Einladung" ein Ereignis. Ihr neuer Roman folgt David, einem Mann mit beginnender Demenzerkrankung, der sich auf eine letzte Reise in die Schweiz begibt, um dort zu sterben. Wen das Thema nicht abschreckt, dem begegnet ein kluges, hypnotisches, zuweilen komisch-absurdes, öfter aber trauriges und im Großen und Ganzen erschütterndes Buch, wie man es selten gelesen hat. In einem fragmentarischen Stil, der das zunehmend löchrige Bewusstsein der Hauptfigur spiegelt, entfalten sich die letzten Tage, Begegnungen, Gedanken eines Menschen am Ende seines Lebens. Und man fragt sich: Was bleibt von einem übrig, wenn man aus der Welt verschwindet? Glücklicherweise diktiert der Roman dafür keine Antwort, verfällt nicht in sentimentalen Kitsch. Viel nüchterner zeigt er, dass man auch im Sterben der bleibt, der man vorher gewesen ist. Der Wunsch nach plötzlicher Vergebung, nach einem Rollenwechsel, er ist da, aber außer Reichweite. Trost findet sich womöglich nicht mehr in diesem Leben, sondern in dem, was danach kommt. Ein existenzieller, meisterhafter, großartiger Roman. Große Literatur.