Wenn Frauen in der Wissenschaft erst einen Mann brauchen, um ernst genommen zu werden

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joana Avatar

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Ich liebe grundsätzlich Romcoms mit STEM-Hintergrund und Frauen in der Wissenschaft. Gerade deshalb hat mich In Stormy Weather sehr angesprochen. Ich liebe die Bücher von Ali Hazelwood und finde es immer wieder spannend, wenn Frauen in wissenschaftlichen Bereichen im Mittelpunkt stehen. Besonders gut gefallen hat mir hier der Meteorologie-Hintergrund. Ich habe einiges über Meteorologie gelernt und mochte es auch, dass der Struggle von Frauen in der Wissenschaft thematisiert wird und wie schwer es für sie immer noch sein kann, ernst genommen zu werden.

Genau bei diesem Punkt hatte ich allerdings auch meine größten Schwierigkeiten mit der Umsetzung. Es gibt eine Situation, in der sie letztendlich erst ernst genommen wird, weil ein Mann für sie aufsteht und deutlich macht, dass die Behandlung so nicht in Ordnung ist. Und natürlich ist es schön, dass er sich für sie einsetzt. Trotzdem hat mich gerade im Kontext dieser Geschichte etwas daran gestört. Denn ausgerechnet bei einer Geschichte darüber, dass Frauen sich in einer von Männern dominierten Wissenschaft behaupten müssen, braucht sie am Ende einen Mann an ihrer Seite, damit ihre Kompetenz entsprechend wahrgenommen wird. Und nicht irgendeinen Mann, sondern den Mann, mit dem sie schläft.
Für mich nimmt das die Protagonistin ein Stück weit aus ihrer eigenen Handlungsmacht. Sie schafft es nicht aus eigener Kraft, diese Anerkennung zu bekommen, sondern braucht erst den starken Prinzen, der für sie einsteht, damit sie glänzen kann.
Natürlich sind die äußeren Umstände dafür verantwortlich und natürlich ist das Problem eigentlich das System, das sie nicht ernst nimmt. Aber die Geschichte löst diesen Konflikt eben so, dass sie am Ende trotzdem einen Mann braucht. Gerade bei diesem Thema hätte ich mir eine andere Lösung gewünscht.

Sehr gut gefallen hat mir dagegen, dass zwischen den beiden wenig Eifersucht in Bezug auf ihre beruflichen Erfolge besteht. Er gönnt ihr ihre Erfolge und lässt sie in verschiedenen Situationen glänzen, ohne selbst unbedingt die Aufmerksamkeit auf sich ziehen zu wollen. Das fand ich wirklich schön. Gleichzeitig sollte gegenseitige Unterstützung für mich in einer Beziehung allerdings auch selbstverständlich sein und nicht unbedingt als besonders große romantische Geste funktionieren.

Mit der eigentlichen Liebesgeschichte hatte ich leider deutlich mehr Probleme. Ich habe die Chemie zwischen den beiden häufig nicht verstanden und der Funke ist bei mir einfach nicht übergesprungen. Gerade die anfängliche Rivalität hat für mich nicht besonders authentisch gewirkt. Dieses ständige Necken und das Gefühl, dass sie sich eigentlich nicht leiden können, obwohl sie sich gleichzeitig längst zueinander hingezogen fühlen, hat bei mir nicht funktioniert. Und Slow Burn ist das für mich definitiv nicht. Die Gefühle entwickeln sich für meinen Geschmack viel zu schnell und ich habe deshalb nicht wirklich verstanden, wann und warum aus dieser Rivalität plötzlich etwas Romantisches wird.

Auch mit manchen romantischen Details konnte ich wenig anfangen. Der Spitzname „Quincy Baby“ war für mich wirklich ganz schrecklich und hat bei mir eher das Gegenteil von romantischen Gefühlen ausgelöst.

Dafür mochte ich den Freundeskreis wirklich gerne. Dass sich ihre Freundeskreise überschneiden und man dadurch gleichzeitig andere Figuren kennenlernt, hat mir gut gefallen. Bei einigen der Nebenfiguren hätte ich tatsächlich deutlich mehr Interesse daran, ihre Geschichten zu verfolgen.

Ich habe das Buch als Hörbuch gehört und auch die Sprecher konnten mich leider nicht vollständig abholen. Schön fand ich, dass bei den gemeinsamen Podcast-Aufnahmen tatsächlich die verschiedenen Sprecher miteinander gesprochen haben und sich dadurch auch akustisch wie ein gemeinsames Gespräch angefühlt hat. Insgesamt wirkten die Stimmen auf mich allerdings etwas zu jung und haben für mich nicht ganz zu den Figuren gepasst.

Auch die Sturm-Thematik hat bei mir einige Fragen hinterlassen. Die Grundidee, die Gefahren von Tornados, Hurrikanen und extremem Wetter sichtbar zu machen und darüber aufzuklären, finde ich spannend. Gleichzeitig steht für die beiden aber immer wieder der Adrenalinkick im Vordergrund. Sie sprechen selbst darüber, wie sehr sie den Kick des Sturmjagens genießen. Dadurch habe ich mich irgendwann gefragt, ob es hier tatsächlich in erster Linie um Wissenschaft und Aufklärung geht oder doch um den Nervenkitzel.

Besonders irritiert hat mich das, weil die Geschichte gleichzeitig zeigt, dass dieses Verhalten andere Menschen inspirieren kann. Es gibt eine Person mit Meteorologie-Hintergrund, die durch den Podcast auf das Sturmjagen aufmerksam geworden ist und selbst damit angefangen hat. Vielleicht fehlt mir hier einfach der fachliche Hintergrund, aber für mich wurde nicht ganz klar, welche Botschaft die Geschichte eigentlich vermitteln möchte. Wenn man Menschen über die Gefahren von Stürmen aufklären möchte, gleichzeitig aber selbst den Adrenalinkick daran liebt und dieses Verhalten sogar andere zum Sturmjagen inspiriert, entsteht für mich ein ziemlich widersprüchliches Bild.

Auch deshalb habe ich mich gefragt, warum es notwendig ist, sich für die Aufnahmen selbst in Gefahr zu bringen. Wenn es letztendlich vor allem darum geht, die Ereignisse zu dokumentieren und Kameras aufzustellen, hätte ich mir hier eine überzeugendere Erklärung gewünscht, warum genau dieses Risiko notwendig ist.

Insgesamt hatte In Stormy Weather für mich also eine Grundidee, die ich eigentlich richtig gerne mochte. Das Meteorologie-Thema war interessant, die STEM-Komponente hat mir gefallen und der Freundeskreis war für mich eines der Highlights. Die Umsetzung konnte mich allerdings weder bei der Liebesgeschichte noch bei einigen Handlungselementen überzeugen. Vor allem die Chemie zwischen den Hauptfiguren hat für mich einfach nicht funktioniert und dadurch hatte ich insgesamt leider keine besonders gute Lesezeit.