Geht unter die Haut

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holzfrieden Avatar

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Douglas Stuart mutet den Leserinnen und Lesern viel zu mit seinem Buch „ John of John“. Es ist nicht einfach, die Handlung dieses Buches in Worte zu fassen, ich kann gar nicht so richtig sagen, warum das so ist.
Der 22-jährige Cal kehrt zurück in sein Heimatdorf auf den Hebriden, weil es seiner Großmutter laut des Vaters nicht gut geht. Cal ist zum Studium nach Edinburgh, um der Enge seiner Heimat zu entfliehen, die er gleichzeitig aber auch liebt. Es ist unklar, wann genau die Handlung spielt. Wir befinden uns in einem stark religiösen Umfeld, zum Beispiel ist es so, dass Cal mindestens einmal wöchentlich eine Telefonzelle aussucht, um mit seinem Vater John zu telefonieren. Die beiden haben sich nicht wirklich viel zu sagen, oft aber geht es um religiöse Handlungen, die Cal peinlich sind, weil jeder in der Öffentlichkeit mithören könnte. Cal ist grandios gescheitert und kehrt auch aus diesem Grund zurück in sein Heimat Dorf auf der Insel Harris. Was dieses Buch besonders ausmacht, ist die Ambivalenz der Gefühlswelt aller Beteiligten. Jeder hat seine Geheimnisse, niemand spricht sie aus. Daher kommt es oft zu Situationen, die eskalieren oder völlig ungeklärt bleiben. Man möchte die Protagonisten schütteln und ihnen sagen, nun sprich doch endlich aus, was du denkst und fühlst. Es geht unter anderem um die Homosexualität von Cal, die aus meiner Sicht sinnbildlich, steht für ein unglaublich konservatives und engstirniges Weltbild. Es passiert eigentlich nicht wirklich viel in diesem Buch. Das Besondere ist die Sprache und die Erzählweise von Stuart. Er versteht es wunderbar, die Gefühlswelt der Protagonisten zu beschreiben, die Landschaft in eindrücklichen Farben zu schildern und so den Lesenden in seinen Bann zu ziehen. Dadurch schafft er es, dass man die oft schockierende Behandlung des 22-jährigen Cal, er wird herumkommandiert und bevormundet und erfährt krasse auch körperliche Gewalt durch den Vater, als ganz besonders emotional empfindet. Alles, was nach außen hin anrüchig erscheinen könnte, ist tabu. Stuart schafft es zudem, auch die Nebenfiguren sehr lebendig werden zu lassen so rundet er das Leben auf der Insel ab.