Herbstzauber trifft auf Herzklopfen

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Manchmal sind es genau die Bücher, bei denen man sich schon nach wenigen Seiten einfach wohlfühlt, die man am liebsten in eine Decke eingekuschelt und mit einer Tasse Tee in der Hand liest. „Kiss me in Orange“ von Alix Bente ist für mich genau so ein Buch.

Im Mittelpunkt stehen Emma und Niclas, die in Berlin leben und seit Jahren beste Freunde sind. Eigentlich könnte alles so schön und unkompliziert sein, bis zu diesem einen verhängnisvollen Kuss. Plötzlich ist nichts mehr wie vorher und beide wissen nicht so recht, wohin mit ihren Gefühlen. Nach einigen Reaktionen, die die Situation nicht gerade einfacher machen, flüchtet Emma kurzerhand in ihre Heimatstadt Goldried. Dort möchte sie ihre schwangere Schwester in einem kleinen Café unterstützen und gleichzeitig versuchen, etwas Abstand zu gewinnen. Doch natürlich kommt es anders. Denn eines Tages steht plötzlich Niclas vor ihr. Und damit sind auch die ganzen verdrängten Gefühle wieder da.

Die Geschichte lebt für mich ganz besonders von ihrem wunderschönen Herbst-Setting. Bunte Blätter, Kürbisse, eine gemütliche Kleinstadt und liebenswerte Bewohner: Goldried hat einfach eine ganz besondere Wohlfühlatmosphäre. Ich hatte beim Lesen tatsächlich das Gefühl, selbst ein kleiner Teil dieser Stadt zu sein. Besonders die Szenen, in denen bei Gemeindeversammlungen alle zusammenkommen und irgendwie jeder jeden kennt, haben mir richtig gut gefallen. Genau diese Kleinstadt-Vibes haben für mich den besonderen Charme der Geschichte ausgemacht.

Emma und Niclas sind dabei ein Paar, bei dem man zwischendurch schon mal denkt: „Jetzt redet doch einfach miteinander!“ Sie können nicht miteinander, aber genauso wenig ohneeinander und schleichen umeinander herum wie die Katze um den heißen Brei. Niclas hat Mist gebaut und Emma hat große Angst davor, ihm zu verzeihen. Und obwohl man natürlich irgendwann einfach möchte, dass die beiden ihre Probleme endlich aus der Welt schaffen, konnte ich ihre Unsicherheit und ihr Verhalten gut nachvollziehen. Gerade weil man durch die wechselnden Perspektiven immer wieder mitbekommt, was in beiden vorgeht, wird deutlich, dass hinter ihrem Verhalten viel mehr steckt als bloße Sturheit oder ein klassisches „Können sie oder können sie nicht?“. Denn die Geschichte geht tatsächlich noch etwas tiefer und bleibt nicht bei einem seichten Hin und Her zwischen Emma und Niclas. In den angenehm kurzen Kapiteln, die abwechselnd aus Emmas und Niclas’ Sicht erzählt werden, erfährt man nach und nach, warum beide so verunsichert sind und weshalb es ihnen so schwerfällt, sich ihren Gefühlen zu stellen. Die Gründe dafür liegen in ihrer Kindheit, die für beide alles andere als einfach war. Besonders dieser Teil hat mir sehr gefallen, weil man Emma und Niclas dadurch noch einmal von einer anderen Seite kennenlernt und ihre Gedanken, Ängste und Reaktionen besser verstehen kann.

„Kiss me in Orange“ ist für mich deshalb vor allem ein richtiges Wohlfühlbuch, das eine süße Liebesgeschichte mit emotionaleren Themen verbindet, ohne dabei seine Leichtigkeit zu verlieren. Die Geschichte von Emma und Niclas hat mich zum Schmunzeln gebracht, manchmal ein bisschen die Augen verdrehen lassen und gleichzeitig dafür gesorgt, dass ich beide immer besser verstehen konnte. Wer also Lust auf eine romantische Geschichte mit Herbstfeeling, Kleinstadtromantik, Freundschaft, Gefühlschaos und einer großen Portion Cozy-Vibes hat, sollte Emma und Niclas unbedingt nach Goldried begleiten. Für mich ist es ein Buch, das sich perfekt für gemütliche Lesestunden eignet und bei dem man sich einfach wohlfühlen kann.