Eine neue Kleopatra

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Kleopatra von Saara El-Arifi ist für mich ein Roman, der eine historische Figur endlich einmal aus ihrem eigenen Inneren heraus erzählt. Sie ist nicht das Anhängsel großer Männer, nicht die Projektionsfläche, sondern ein denkender, handelnder, fühlender Mensch mit Macht, Ehrgeiz, Zweifeln und einem kompromisslosen Überlebenswillen. Besonders beeindruckt hat mich, wie lebendig El-Arifi den politischen Druck dieser Zeit schildert. Der Thron ist kein Ornament, sondern ein Schlachtfeld. Und das innen wie außen. Intrigen, Bündnisse, Verrat, Rom und mittendrin eine junge Frau, die viel früher Verantwortung tragen muss, als es irgendjemandem guttun würde. Dass sie gleichzeitig Mutter, Herrscherin und Strategin ist, zeigt eine Dimension, die historische Darstellungen oft verschlucken.
Die Perspektive macht den Roman stark. Kleopatra erzählt selbst. Das gibt ihrer Geschichte nicht nur Stimme, sondern auch Würde und lässt die bekannten Mythen leise zerbröckeln. Statt der exotisierten Verführerin bekommt man eine gebildete Politikerin, die Sprachen spricht, Diplomatie versteht und jederzeit den Preis ihrer Entscheidungen kennt.