Dieser Zug ist wahrlich abgefahren
Normalerweise stelle ich keine Vergleiche an, aber dieses Buch hatte einfach unglaublich starke King-eske Vibes und erinnerte mich u.a. an Werke wie Needful Things. Ähnlich gemächlich wird hier die Spannung aufgebaut, auch wenn der Autor nicht ganz an die meisterhafte Art heranreicht, auch unscheinbare und alltägliche Momente mit einer lauernden Spannung zu untermalen - so war mir das Buch streckenweise (ha!) zu langatmig und hätte hier und da ein paar Kürzungen vertragen. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau, denn die Story ist sehr originell, ausgeklügelt und unheimlich. Ein paar Details, etwa die Hintergründe zur ominösen Splitterwelt, wurden mir allerdings zu kurz abgehandelt und liessen Fragen offen. Dennoch habe ich mich prächtig amüsiert und auch wenn ich Annie nicht uneingeschränkt sympathisch fand, konnte ich doch mit ihr mitfiebern - vor allem gegen Ende, als der Schrecken jeder Mutter sie einholt und zur Löwin werden lässt. Aber auch die weiteren Haupt- und Nebenfiguren wurden sehr lebensnah gezeichnet und verliehen der Geschichte eine ausgewogene Tiefe. Interessant fand ich den Ansatz, die Geschichte parallel aus der Sicht des Bösen zu erzählen - so wusste man immer was einen erwartet, wurde Zeuge durchaus schauriger und blutiger Ereignisse und konnte doch nur hilflos zusehen, wie das unausweichliche Schicksal seinen Lauf nahm und die Hauptpersonen das schreckliche Geheimnis noch immer nicht gelüftet hatten. Das Finale schliesslich, das gleich auf mehrfache Weise abgeliefert wurde, hatte es wirklich in sich und liess keine Wünsche offen. Ich jedenfalls bin sehr positiv überrascht von diesem Werk, das erfreulicherweise deutlich mehr Horror liefert als ich erwartet hatte, und werde den Autor künftig im Auge behalten.