Düster, spannend und voller unterschwelliger Bedrohung

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doroko Avatar

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Mit „Komm spielen“ hat Linwood Barclay einen Thriller geschrieben, der mich von Anfang an begeisterte. Schon das Cover wirkt düster und unheilvoll. Die eher dunklen Farben und die bedrückend wirkende Stimmung passen sehr gut zur Geschichte und lassen bereits erahnen, dass etwas Bedrohliches dahinter steckt.
Im Mittelpunkt der Handlung steht Annie, die nach einem schweren Jahr zusammen mit ihrem kleinen Sohn Charlie aus dem hektischen New York nach Castle Creek zieht. Dort hofft sie auf Ruhe und einen Neuanfang. Anfangs wirkt der Ort freundlich und fast schon zu perfekt, doch schon bald häufen sich seltsame Unfälle und merkwürdige Ereignisse. Annie merkt schnell, dass in Castle Creek etwas nicht stimmt. Als schließlich auch Charlie in Gefahr gerät, beginnt für sie ein Wettlauf gegen die Zeit.
Der Schreibstil von Linwood Barclay hat mir gut gefallen, weil er flüssig und angenehm zu lesen ist. In den Kapiteln von angenehmer Länge baut sich die Spannung langsam auf, steigert sich aber kontinuierlich, weil immer wieder unterschwellige Bedrohungen eingebaut wurden, sodass ich ständig das Gefühl hatte, dass gleich etwas passiert
Castle Creek mit dem typischen Setting einer Kleinstadt wirkt zunächst wie ein ruhiger, sicherer Ort. Jedoch entwickelt sich schnell eine bedrückende Atmosphäre. Dieser Kontrast zwischen Idylle und Bedrohung wurde sehr atmosphärisch beschrieben und hat die Spannung zusätzlich verstärkt.
Die Geschichte wird aus immer wieder wechselnden Perspektiven und Zeitebenen erzählt, überwiegend begleite ich aber Annie, während die Vorgänge rund um Charlie Blunt sowie Edwin Nabler ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Zu Beginn wirken diese diversen Plotlines ein wenig unabhängig voneinander, verweben sich zum Ende hin aber immer mehr miteinander, sodass ich ständig weiterlesen musste.
Annie war für mich eine richtig starke Figur. Sie wirkte auf mich sehr nahbar, verletzlich und trotzdem hatte sie diesen kämpferischen Kern, der mir gut gefallen hat. Vor allem ihre Schuldgefühle und die ständige Sorge um Charlie konnte ich absolut nachvollziehen. Charlie selbst ist ein typisches Kind – neugierig, manchmal ein wenig zu unbedarft – und genau das macht viele Szenen noch beklemmender. Durch seine unschuldige Art wurde die Geschichte für mich stellenweise richtig nervenaufreibend. Edwin Nabler dagegen blieb für mich lange ein großes Rätsel. Er ist so eine Figur, bei der man die ganze Zeit überlegt, was eigentlich wirklich hinter seiner Fassade steckt. Gerade seine Verbindung zu den Modelleisenbahnen hat einige der unheimlichsten und atmosphärisch dichtesten Momente der Geschichte ausgelöst.
„Komm spielen“ ist ein richtig starker Thriller mit Mystery- und Horrorelementen. Die Geschichte startet eher ruhig, wird aber mit jeder Seite unheimlicher. Gegen Ende überschlagen sich die Ereignisse regelrecht und der Spannungsbogen bleibt bis zum Schluss erhalten. Wer Thriller mit leichtem Horror-Einschlag und mysteriösen Kleinstadt-Geheimnissen mag, dürfte hier definitiv auf seine Kosten kommen.