Tufftufftuff Tschuu tschuu!

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la calavera catrina Avatar

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Annie, ihr Mann John und ihr kleiner Sohn Charlie leben in New York. Zwei tragische Ereignisse erschüttern die Familie, weshalb Annie – nach einem großzügigen Angebot ihres Lektors – beschließt, vorerst mit ihrem Sohn aus der Großstadt aufs Land zu flüchten. In Castle Creek wollen sie drei Monate in einem renovierten Ferienhaus eine Auszeit nehmen.
Einige Meilen entfernt befindet sich Lucknow, und der örtliche Polizeichef Harry Cook hat vermehrt Todesfälle und seltsame Vorkommnisse zu verzeichnen, seit Edwin Nabler seinen ungewöhnlichen Laden für Modelleisenbahnen eröffnet hat. Ein idyllischer Schauplatz – und eine unheimliche Wendung: «Die Sache ist heftiger, als die Leute ahnen.»

In fünf Akten präsentiert der amerikanische Autor Linwood Barclay einen Thriller mit übernatürlichen Horror-Elementen, der das Prädikat «Grandios!» von Stephen King verdient. Schon der Prolog rückt die Modelleisenbahn in den Fokus und lässt das Herz der Bahner höher schlagen.

Mir hat die clever durchdachte Vorgehensweise sehr gefallen: Sie gaukelt einem zunächst vor, man könnte erahnen, worauf das hinauslaufen würde – um einen dann doch zu überraschen. Schnell wird klar, dass rationale Erklärungen nicht ausreichen. Doch die geradlinige Erzählweise schafft eine Art Sicherheit, in der man sich einlullen lässt, während die Ereignisse auf das nächste Level übergehen. Der Chief untersucht die Verbrechen, und die Handlung baut langsam Spannung auf, gespickt mit Details, die später entscheidend werden.

Die Charaktere werden einem sympathisch: Sie verhalten sich nachvollziehbar und scharfsinnig. Oft ist es der letzte Satz eines Kapitels, der zum Schlag ausholt. Einfache Sprache, große Wirkung. Das Ende von Kapitel sechsundzwanzig wird mir in Erinnerung bleiben – und es gab letzte Sätze, die mich atemlos weiterlesen ließen. «Komm spielen» hat mich gefesselt wie lange kein Thriller zuvor.

Besonders mochte ich das Übernatürliche, das vom Antagonisten schmunzelnd aufgegriffen wird: «Sei’s drum, das ist Fiktion, und wir befinden uns in der Wirklichkeit.» Man könnte kritisieren, dass die Handlung etwas unrealistisch und zu umfangreich aufgebaut ist. Doch der Horror entsteht aus realen Ängsten und zeigt: «… wir alle können Opfer von Umständen werden, die nicht in unserer Hand liegen.»

Manchmal beginnt alles mit einem Zuggeräusch. Für alle, die es mögen, wenn sich der Grusel schleichend anbahnt.